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Friedrich Ebert

Ident. Nr.: B I 503

ObjID: obj:959728

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Robert Bednorz (1882 - 1973),
Künstler*in
Datierung
1924
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 35 x 25 x 27 cm

Objektbeschreibung

Im Jahr 1924 wurde Bednorz an die Breslauer Akademie berufen und trat damit die Nachfolge seines Lehrers, des Bildhauers Albert Werner-Schwarzburg, an. Zeitgleich erhielt er den Auftrag, den ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert (1871–1925), „nach dem Leben“ zu porträtieren. Bednorz beschrieb den Politiker später als „zurückhaltend, aber natürlich und offen“ (Robert Bednorz, Biographischer Essay, in: Mitteilungen des Beuthener Geschichts- und Museumsvereins, H. 21/22 [1960], S. 108). Der Künstler war ein gefragter Porträtist. Politiker aller Parteien ließen sich gern von ihm wiedergeben; neben der Ebert-Büste schuf er unter anderem Bildnisse des nationalliberalen Politikers und späteren Reichsministers Karl Jarres (1922) und des seit 1922 amtierenden italienischen Staatschefs, des Faschisten Benito Mussolini (1923). Er nahm sich außerdem vor, ein Porträt von Wladimir Iljitsch Lenin nach vorhandenen Vorlagen anzufertigen, wozu es jedoch nicht kam. Selten hat Bednorz die Oberflächen seiner Büsten glatt modelliert. Stattdessen sind sie durch Unebenheiten oder Kanten strukturiert, die den individuellen und expressiven Eindruck der Bildnisse unterstreichen. Der Künstler war vor allem darauf bedacht, dem Charakter einer Person Ausdruck zu verleihen. Die beiden identischen Ebert-Büsten gelangten über unterschiedliche Wege an die Nationalgalerie. Ein Guss (B I 503) wurde 1929 vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung angekauft und der Sammlung sogleich übergeben. Das andere Exemplar (B II 9) erwarb der preußische Oberpräsident für das Schlesische Museum der bildenden Künste in Breslau, in dem es bis nach 1945 blieb; 1953 schenkte es der polnische Staat der DDR. Während der deutschen Teilung befanden sich beide Büsten in Ost-Berlin. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Stillleben mit grüner Kanne

Stillleben mit grüner Kanne

Als Sohn deutscher Eltern wurde Léonell Charles Feininger, der sich später Lyonel nennen sollte, 1871 in New York geboren. Mit 16 Jahren kam er nach Deutschland und ließ sich in Berlin an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste zum Zeichner ausbilden. Als Karikaturist arbeitete er für verschiedene deutsche und US-amerikanische Zeitungen und Zeitschriften. Erst im April 1907 entstanden die ersten Ölgemälde. Feininger und seine Frau Julia lebten damals in Paris und verkehrten im Künstlerkreis des Café du Dôme. Ganz in der Nähe, am Boulevard Raspail 242, hatten sie ein Atelier gemietet, dort fanden Feiningers erste Malversuche mit breiten Pinselstrichen auf kleinformatigen Malpappen statt. Das „Stillleben mit grüner Kanne“ ist rückseitig auf den 20. Dezember 1907 datiert. Es zeigt eine Messingkanne auf einem Papierstapel, ein Blatt ragt unten auf der dunkelblauen Tischplatte hervor, andere fächern sich hinter der Kanne vor einer Fläche in hellerem Blau empor. Dass es sich dabei um das blaue Tuch eines Wandbehangs handelt, zeigt ein gleichzeitig entstandenes Interieur („Stillleben“, 1907; Privatbesitz). Im Gegensatz zu einer dunkeltonigen Fassung des Motivs vom April 1907 („Stillleben“; Privatbesitz), zeichnet sich das Gemälde der Nationalgalerie durch leuchtende Blau-, Grün-, Gelb- und Weißtöne sowie effektvolle Lichtreflexe aus. Die im Bogen angeordneten Blätter nehmen die Form des Henkels der Kanne auf und umgeben den ruhenden Gegenstand dynamisch. | Dieter Scholz

Bäume am Meer (Reinhardt-Fries)

Bäume am Meer (Reinhardt-Fries)

Durch den Berliner Theaterdirektor Max Reinhardt erhielt Munch 1906 den Auftrag zu einem Bilderfries für einen Saal im Obergeschoss der Kammerspiele. Es entstanden zwölf Gemälde, von denen neun heute zur Sammlung der Nationalgalerie gehören. Die anderen befinden sich im Essener Museum Folkwang, in der Hamburger Kunsthalle und in Osloer Privatbesitz. Ursprünglich waren die Werke unmittelbar unter der 4,70 Meter hohen Decke angebracht und bis 1912 dort zu sehen. Der Saal wurde mit einem Fest zu Silvester 1907 eingeweiht. Zwei Tage zuvor hatte Munch den fertigen Fries seinem Malerkollegen Emil Nolde sowie dem Hamburger Richter und Kunstsammler Gustav Schiefler gezeigt. Letzterer notierte am 29. Dezember 1907 in sein Tagebuch: „Munch deutete uns die Bilder: Es sind die alltäglichen Erlebnisse aus dem Landleben der norwegischen Küstenbewohner, die Mädchen versammeln sich am Strande und unterhalten sich, bis die jungen Burschen aus der Nachbarschaft in Bo[o]ten herangerudert kommen. Dann vereinigen sie sich zu Gesellschaftsspiel und Tanz. Endlich fahren sie wieder fort. Die Mädchen zerstreuen sich, aber eine sitzt in tiefer Schwermut versunken in einem roten Kleide am Strande“ (Edvard Munch und Gustav Schiefler, Briefwechsel, Band 1: 1902–1914, Hamburg 1987, S. 266, Nr. 368). Da die Gemälde für eine hohe Hängung konzipiert waren, verzichtete Munch auf detaillierte Binnenzeichnungen. Um den Eindruck einer Wandmalerei zu erzeugen, benutzte er spröde, kalkhaltige Kaseintempera und grobe, ungrundierte Leinwände, welche die Farbe stark aufsaugten. Raue Untergrundstruktur und matte Farbigkeit ergeben die Anmutung alter Fresken. Als Ort der Handlung wählte Munch den Åsgårdstrand, wo er ein Sommerhaus mit Blick auf den Oslofjord besaß. | Dieter Scholz

Frauen bei der Obsternte (Reinhardt-Fries)

Frauen bei der Obsternte (Reinhardt-Fries)

Durch den Berliner Theaterdirektor Max Reinhardt erhielt Munch 1906 den Auftrag zu einem Bilderfries für einen Saal im Obergeschoss der Kammerspiele. Es entstanden zwölf Gemälde, von denen neun heute zur Sammlung der Nationalgalerie gehören. Die anderen befinden sich im Essener Museum Folkwang, in der Hamburger Kunsthalle und in Osloer Privatbesitz. Ursprünglich waren die Werke unmittelbar unter der 4,70 Meter hohen Decke angebracht und bis 1912 dort zu sehen. Der Saal wurde mit einem Fest zu Silvester 1907 eingeweiht. Zwei Tage zuvor hatte Munch den fertigen Fries seinem Malerkollegen Emil Nolde sowie dem Hamburger Richter und Kunstsammler Gustav Schiefler gezeigt. Letzterer notierte am 29. Dezember 1907 in sein Tagebuch: „Munch deutete uns die Bilder: Es sind die alltäglichen Erlebnisse aus dem Landleben der norwegischen Küstenbewohner, die Mädchen versammeln sich am Strande und unterhalten sich, bis die jungen Burschen aus der Nachbarschaft in Bo[o]ten herangerudert kommen. Dann vereinigen sie sich zu Gesellschaftsspiel und Tanz. Endlich fahren sie wieder fort. Die Mädchen zerstreuen sich, aber eine sitzt in tiefer Schwermut versunken in einem roten Kleide am Strande“ (Edvard Munch und Gustav Schiefler, Briefwechsel, Band 1: 1902–1914, Hamburg 1987, S. 266, Nr. 368). Da die Gemälde für eine hohe Hängung konzipiert waren, verzichtete Munch auf detaillierte Binnenzeichnungen. Um den Eindruck einer Wandmalerei zu erzeugen, benutzte er spröde, kalkhaltige Kaseintempera und grobe, ungrundierte Leinwände, welche die Farbe stark aufsaugten. Raue Untergrundstruktur und matte Farbigkeit ergeben die Anmutung alter Fresken. Als Ort der Handlung wählte Munch den Åsgårdstrand, wo er ein Sommerhaus mit Blick auf den Oslofjord besaß. | Dieter Scholz

Gekreuzigter

Gekreuzigter

Die Plastik „Gekreuzigter“ geht auf ein Gespräch zurück, das Cremer in den 1960er-Jahren mit Pfarrer Günter Gloede aus Berlin-Friedrichshagen geführt hatte, der ihm das Thema vorschlug. Cremer empfand die Idee zunächst als abstoßend, zehn Jahre später jedoch wandte er sich ihr erneut zu (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 124). Als Kommunist lehnte er religiösen Glauben ab. In seiner Lösung für dieses Motiv nutzte er den zugrundeliegenden christlichen Gedanken für sein künstlerisches Prinzip, eine Dialektik sichtbar werden zu lassen: Gegensätzliche Ideen treffen aufeinander, und der Widerspruch führt zu einer neuen Erkenntnis. Hierfür griff Cremer auf die wissenschaftliche Lehre des Marxismus zurück. Er schrieb dazu: „nicht Erlösung durch das Kreuz sondern Erlösung vom Kreuz“ (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 765). Der „Gekreuzigte“ ist ohne Kreuz, auf beiden Füßen stehend dargestellt. Auch die Position der Hände weicht von traditionellen Bearbeitungen des Sujets ab. Er hat die Rechte zur Faust geballt und öffnet die Linke. Von Nägeln und Seitenwunde keine Spur. Die Muskulatur ist kräftig und der Kopf hängt nicht herunter wie nach dem Tod, sondern der Blick ist nach vorn und oben gerichtet. Das Werk ließe sich dennoch auch aus christlicher Perspektive interpretieren, denn es heißt, Jesus sei „auferstanden von den Toten“. Ob Cremer eine kommunistische Kritik an der Kreuzigung schuf (Erlösung vom Kreuz) oder die Auferstehung von den Toten (Erlösung durch das Kreuz) in neuer Art und Weise verbildlichte, bleibt eine Frage der Deutung. Ein Entwurf der Plastik steht heute an der Grabstelle Gloedes auf dem Evangelischen Friedhof Friedrichshagen. | Emily Joyce Evans

Mutter und Kind

Mutter und Kind

Auch beim jüngsten Bild Berganders in der Sammlung geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, hier um die von Mutter und Kind. Ob die Frau dem Jungen etwas vorliest oder er sie nur gespannt beobachtet, ist nicht eindeutig. Als sicher kann gelten, dass lesende Menschen in der Kunst der DDR ein eigenes Untergenre bildeten: Das konzentrierte Aufnehmen, Nachdenken, Hinterfragen, Lernen und Vermitteln ergänzte das motivische Repertoire des sozialistischen Realismus, das hier allerdings eine weniger symbolische Abwandlung erfährt, denn es ist nicht eine Vertreterin der Arbeiterklasse, die sich das bürgerliche Medium Buch aneignet. Ähnlich wie bei dem „Mädchenporträt in Rot“ (A IV 229) ist die Atmosphäre schwer zu greifen, Setting und Ausstattung sind auf ein Minimum reduziert, der Hintergrund wirkt unfertig. Doch der aufmerksame Gesichtsausdruck des Kindes, die roten Bäckchen und sein Blick zur Mutter strahlen eine umfassende Wärme und Bindung aus, die tief berührt. Die hellen, pastelligen Töne und eine Menge leuchtende Farbe verstärken diesen Effekt ebenso wie der Lichteinfall, der das Kind, obwohl das kleinste Sujet, als Hauptprotagonisten inszeniert. Wie häufig bei Bergander existieren auch von diesem Werk mehrere Fassungen, darunter ein Gemälde mit demselben Titel im Hochformat (vgl. Nationalgalerie Berlin – Kunst der DDR. Berlin 2003, Abb. S. 26). Das Bild der Nationalgalerie dürfte eine Auftragsarbeit des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes gewesen sein, der es der Sammlung ein Jahr nach Entstehung überwies. | Sven Haase

Karelien und Murmansk

Karelien und Murmansk

Nach seiner Rückkehr aus Karelien 1925 malte Vogeler vier Komplexbilder, von denen nur das Gemälde „Karelien und Murmansk“ erhalten ist. In kaleidoskopartig angelegten Feldern stellt er dort seine Reise von Petrosawodsk im Süden bis Murmansk im Norden von unten nach oben dar. Zu sehen sind die karelische Landschaft, Fischerhäfen, die damals nördlichste Agrarstation in Chibinen, eine Holzflößerei, ein Bohrturm sowie die Murmansk-Eisenbahn, die das Werk von unten nach oben diagonal durchzieht. Die einzelnen Prismen gehen von dem übergroßen roten Sowjetstern aus. In ihm thront eine Tanne, das Wahrzeichen der finnisch geprägten Region Karelien. Sie steht auf einem rot umkränzten Berg aus toten Revolutionären, unter dem in einem neuen Feld eine Revolutionsfeier stattfindet. Oberhalb des Sterns sind eine Versammlung der Internationalen Roten Hilfe (MOPR) sowie Hammer und Sichel zu sehen. Auf Finnisch wird im Stern verkündet: „Die Sowjetmacht befreit alle Völker von den Ketten des Imperialismus.“ Dies ist die zentrale politische Botschaft, die Vogeler durch die „vielen erlebten realistischen Szenen“ im Komplexbild zusammengefügt hatte – für ihn die „beste agitatorisch-propagandistische Form“, um „das Werden der sozialistischen Gesellschaft nach der großen Oktoberrevolution“ zu vermitteln (H. Vogeler: Werden. Erinnerungen, 1989, S. 328 f). Weitere Banner fordern auf Finnisch: „Arbeiter und Unterdrückte aller Länder, vereinigt Euch“ und auf Russisch mit den Worten Wladimir Iljitsch Lenins: „Vor allem brauchen wir um jeden Preis eine Steigerung der Produktion“. | Maike Steinkamp

Vollblutfohlen

Vollblutfohlen

Mit dem „Großen Vollblutfohlen“ verließ Sintenis 1940 ein weiteres Mal die für sie typische kleinformatige Darstellungsweise (vgl. u.a. B I 683). Die Plastik ist eine Vergrößerung des ein Jahr zuvor geschaffenen, 21 Zentimeter großen „Vollblutfohlens“, von dem sich ebenfalls ein Guss im Bestand der Nationalgalerie befindet (NG 18/81). Sintenis modellierte das Jungtier mit überlangen, staksigen Beinen, flatternder Mähne und aufmerksam-neugierigem Blick. Die Oberfläche der Figur ist stark strukturiert, die Muskulatur herausgearbeitet. Das „Große Vollblutfohlen“ ist eine der letzten in Bronze gegossenen Arbeiten Sintenis’ in jenen Jahren, herrschte um 1940 doch ein Mangel an diesem für den Krieg benötigten Material. An ihre Freundin Anita Warncke schrieb die Bildhauerin: „[…] das trifft mich gerade so radikal, die meisten anderen können sich umstellen auf Stein etc., aber für meine Sachen geht nichts anderes.“ Und ein Jahr später fügte sie hinzu: „Der Gießer hört ganz auf und macht Granaten. Und was mache ich?“ (Briefe vom 12.3.1940 und 21.4.1941, zit. nach S. Kettelhake, Renée Sintenis. Berlin, Boheme und Ringelnatz, Berlin 2010, S. 340). Vermutlich handelt es sich bei dem „Großen Vollblutfohlen“, das 1957 für die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ angekauft wurde, um einen Nachkriegsguss. Sintenis hatte diesem zugestimmt, da ein früheres Exemplar des Fohlens in den Wirren nach 1945 in Berlin abhandengekommen war. | Maike Steinkamp

Atelierecke

Atelierecke

Von 1922 bis 1928 studierte Anhalt Malerei an der Kasseler Kunstakademie. Noch in dieser Zeit stellte er 1926 in der „Herbstschau hessischer Kunst“ aus. Dort erwarb der preußische Oberpräsident Rudolf Schwander aus Mitteln des Kultusministeriums zur Unterstützung lebender Künstler sein Gemälde „Atelierecke“. Das Werk blieb in Hessen, wo es spätestens 1930 als Leihgabe in das Kunsthistorische Museum der Universität Marburg gelangte; inventarisiert wurde es jedoch in der Nationalgalerie. Das war in jener Zeit üblich bei Kunstankäufen der Oberpräsidenten, die Mittel des Ministeriums erhielten. Die von Schwander erworbenen Werke wurden in mehreren hessischen Institutionen aufbewahrt. Im Jahr 1930 befanden sich dort bereits 34 als im Besitz der Nationalgalerie geführte Arbeiten in unterschiedlichen Museen und staatlichen Büroräumen (vgl. SMB-ZA, I/NG 211). „Atelierecke“ verblieb bis 1966 in Marburg und wurde dann an die West-Berliner Nationalgalerie gegeben. Im Mittelpunkt des Gemäldes stehen zwei Staffeleien: Eine ist leer, auf der anderen befinden sich zwei noch unvollendete, schemenhaft gemalte Bilder vor einem Fenster. Die Komposition ist aus leichter Untersicht angelegt. Die Betrachter:innen schauen durch die Fensterscheiben hinauf in einen hellen Himmel; im Gegenlicht wirken die Gegenstände im Raum dunkel. Schräges Sonnenlicht streift die leere Staffelei, das geöffnete Fensterfeld und den unteren Fensterrahmen. Rosa-, Gelb- und Orangetöne lockern die Farbpalette auf und verleihen der Studie eine impressionistische Wirkung. | Emily Joyce Evans