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Der Hafen II

Ident. Nr.: A II 763

ObjID: obj:967980

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Franz Radziwill (1895 - 1983),
Künstler*in
Datierung
1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Hafen II
Übersetzung: The Harbour II
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1932
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 76 x 99,5 cm
Erwerbung
1932 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Bereits „Der Hafen I“ von 1924 (Privatbesitz) bezeugt Radziwills Faszination von moderner Technik. 1928 berichtete der Maler dem Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer von einer Fahrt durch den Amsterdamer Hafen. Dort „war der so seltene Blick von der Fläche des Wassers an [die] riesigen, mit Nieten und durch Säure zerfressenen Schiffsrümpfe etwas seltsames und phantastisches. Und einer der merkwürdigsten Eindrücke ist für mich immer dort, wo ein riesiger Schiffskörper in das Wasser eintaucht“ (Brief vom 24.9.1928, in: Gerhard Wietek, Franz Radziwill – Wilhelm Niemeyer. Dokumente einer Freundschaft, Oldenburg 1990, S. 133 f.). Entsprechende Elemente finden sich in „Der Hafen II“. Das Bild bezieht sich auf die Begegnung der Schwesterschiffe „Bremen“ und „Europa“, welche die Reederei Norddeutscher Lloyd für ihre Linie nach New York hatte bauen lassen, am 19. März 1930 in Bremerhaven. Fotos zeigen die Schnelldampfer in gleicher Ausrichtung, Radziwill hingegen hat sie dynamisch gegeneinander verkehrt – und zwei Mal die „Europa“ wiedergegeben, erkennbar an den Vierergruppen der Fensterreihen (die „Bremen“ hatte Zweiergruppen). Untersicht und Anschnitt erzeugen einen extremen perspektivischen Sog. Die riesigen Schiffskörper als Zeichen der neuen Zeit scheinen die grazilen Segler zu erdrücken. In einem kleinen Motorkahn steht ein Beobachter der Technik gegenüber. Diese war Grund für nationalen Stolz: „Bremen“ und „Europa“ stellten bei ihren ersten Atlantiküberquerungen Rekorde auf und eroberten das „Blaue Band“, das zwei Jahrzehnte lang die britische „Mauretania“ innegehabt hatte, eine Auszeichnung für das von der Wirtschaftskrise geschüttelte Deutschland. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson