Logo

Wilde Elefantenherde mit Bad in Bergsee

Ident. Nr.: I. 4596 fol. 16 v

ObjID: obj:1521435

Details (expert)

Date(s)
1640-1650
Datierung engl.: 1640-1650
Dynastie: Moguln
Dynastie - engl.: Mughals
Additional titles
Collection title: Wilde Elefantenherde mit Bad in Bergsee
Translation: A herd of wild elephants around, and in, a mountain lake
Geographical references
Herstellungsort: Indien
Dimensions
Höhe: 50 cm
Breite: 36,5 cm

Object Description

Eine nicht sehr tiefe, eher hügelige, aber mit Felsformationen durchsetzte Landschaft, die einen kleinen See einfasst, ist von einer wilden Elefantenherde in mehreren Gruppen eingenommen. Sieben ausgewachsene Elefanten mit einem Baby streifen und klettern jenseits des Sees, drei Jungtiere plantschen im Wasser und einer bespritzt sich im Vordergrund am Ufer. Wenige verschiedenartige Bäume und Buschwerk sind die einzige Vegetation, nur ein Hasen- und ein Gazellenpaar finden sich im Umkreis, aber vier Vogelpaare verschiedenster Größe, ein Rebhuhn mit vier Küken und Schwärme am Himmel sowie vier Fische bevölkern die Szene. Landschaft und Tiere sind ganz in den verschiedenen Ockertönen von Elefantenhäuten gehalten, sodass sie wie eine versteckte, unberührte trockene Idylle wirken. Entsprechend bemerkt der fern am Horizont der Hügelkette ein Reisigbündel tragende halbnackte Mann die Tiere gar nicht und ist selbst farblich angepasst. So scheint die Drohgebärde aufgerichteter Ohren zweier Elefanten in seltener Frontalansicht allein auf Rivalitäten in der Herde gerichtet. Der helle, vielleicht aus einem schäumenden Gebirgsbach gespeiste See ist ebenfalls leicht gefärbt, wie von aufgewühltem Lehm. Nur die kurzen Elfenbeinzähne der Jungtiere, die teils ausgebrochenen der Alten und das Gefieder einzelner Vögel stechen hervor, sodass mit Recht von einer Art „Halbkolorierung“ gesprochen wurde, die als künstlerisches Mittel des Entwurfsstadiums in Iran im frühen 17. Jahrhundert aufkam (nimrang) und in der Mogulschule kopiert wurde.
Die äußerst differenzierte Naturbeobachtung und schöne Dokumentation von Bewegungsarten der Elefanten passt zu den Arbeiten am Hofe Akbars, und sie ist ursprünglich sicher von einem bedeutenden Maler des Ateliers (kitabkhana) ausgeführt worden gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Wegen einiger zeichnerischer Ungeschicklichkeiten, z.B. der Zahn- und Rüsselstellung und leichter Stereotypie der Vogelpaare könnte dies eine Kopie nach jenem Original von 1590-1605 sein.

Last updated: 04.03.2026

Contact

Institution:

Museum für Islamische Kunst

Additional items from the collections

Formgeblasener Kasten aus farblosem Glas mit geschnittenem und geschliffenem Dekor; außerdem zwei Scharnieren und einem unvollständigen Verschluss aus Kupferlegierung. In den Deckel des Kastens sind konzentrische Kreise eingeschliffen, in deren Mitte jeweils die Scharniere befestigt sind. Zwischen den beiden Kreisen befindet sich ein abgetreppter länglich-ovaler Dekor, in dem die winzige Bohrung für den jetzt verlorenen Verschluss sichtbar ist. Auf der Unterseite ist das länglich-ovale Muster viermal wiederholt, außen breiter und innen schmaler gearbeitet. Vorne in der Mitte befindet sich der Beschlag mit einem kleinen Stift für den (verlorenen) Verschluss. Der Kasten wurde als flaschenähnliches Gebilde in eine Form geblasen und anschließend in zwei gleiche Hälften geschnitten. Dabei entstanden vor allem innen zahlreiche kleine Ausbrüche und Absplitterungen. Die beiden Schmalseiten, also ursprünglich die »Böden«, zeigen Reste der abgearbeiteten Heftnarben. An der Unterseite sind leichte Kratz- und Gebrauchsspuren.Das Stück ist im Stil der üblichen Schreibkästen gearbeitet. Allerdings gelangten solche Kästen als Reliquienbehältnisse nach Europa, wie ein ähnlich dekorierter Kasten im Dom von Capua (Italien) zeigt. Das klare, farblose Glas imitiert den kostbareren Bergkristall, der sich zur Zeit der Fatimidenherrschaft in Ägypten größter Beliebtheit erfreute. Die ursprüngliche Funktion des Stückes ist unbekannt, obwohl sich etliche, meist kleinere Kästen erhalten haben, allerdings ohne Inhalt.

Vollständig erhaltener Kasten aus Elfenbein. Der rechteckige Kasten mit pultförmigem Deckel weist einen Kern aus Holzplatten auf, der ursprünglich wohl mit einem Textil ausgeschlagen wurde. Die Außenseite, die aus Elfenbeinplatten besteht, ist mit grüner, brauner und goldener Malerei verziert, die schwarz konturiert ist. Zu erkennen sind auf der Vorderseite zwei Medaillons mit jeweils einem Rankensystem gefüllt, die von Vögeln flankiert werden, darunter Wiedehopfe und Pfauen sowie Jagdhunde, die ein Rankenmotiv im Zentrum erfassen. Die Rückseite weist drei Medaillons auf, wobei das mittlere Medaillon mit einer stilisierten Löwendarstellung gefüllt und ebenfalls von Vögeln flankiert ist, während die beiden anderen Medaillons Rankenmotive zeigen. Die Schmalseiten sind identisch. Wiedergegeben ist eine Harfenspielerin in einem Medaillon, ebenfalls von Vögeln umgeben. Der schmale Rand des Deckels ist frontal mit einer Inschrift im Kufi-Duktus verziert und geht in Vogel- und vegetabile Motive über. Der Dekor an den Schrägseiten des Deckels weist ebenfalls Medaillons auf, die Rankenwerke und Gazellen zeigen, die wiederum teils von Vögeln, teils von Jagdhunden flankiert werden. Die Deckeloberseite wird von zwei stilisierten Löwen, jeweils in einem Medaillon und von Vögeln umgeben verziert. Die Messingscharniere sind lanzenförmig und vergoldet. An der Oberseite ist ein vergoldeter Griff befestigt, während an der Vorderseite ein Schloss mittig angebracht ist. Dieser Kasten gehört zu einer Gruppe von größeren und kleineren Kästen (vgl. I. 586, K 3103), die womöglich in Sizilien oder Süditalien hergestellt wurden, wobei ähnliche Kästen auch aus Spanien bekannt sind. Sie sind in Kirchenschätzen als Reliquienbehälter verwendet worden, aber wahrscheinlich auch als diplomatische Geschenke. Die Auftraggeber für solche Objekte stammten vermutlich aus dem höfischen Milieu.