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Fahnenträger

Ident. Nr.: A III 897

ObjID: obj:1065978

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Konrad Adolf Lattner (1896 - 1979),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Fahnenträger
Übersetzung: Standard Bearer
Mann mit Stange
Provenienz
Kauf: Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald,
vor 1933 - 1939
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: ca. 205 x 99 cm
Erwerbung
1939 Überweisung durch die Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald auf Anweisung des Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Am 10. Januar 1927 schrieb Edmund Forster, seit April 1925 Leiter der Universitäts-Nervenklinik in Greifswald, an den befreundeten Max Liebermann: „Nach Beratungen mit mir hat Lattner Entwürfe für die Möbel und die Bemalung der Wände gemacht. Ich habe die schlechten Reproduktionen durch 12 Aquarelle und ein Ölbild ersetzt. Zwei bisher ganz vernachlässigte Veranden konnten so zu sehr schönen Räumen (ohne große Kosten) umgestaltet werden“ (Max Liebermann, Briefe, Band 8: 1927–1935, Baden-Baden 2019, S. 23). Forster plante, in Berlin einen Vortrag über die Neugestaltung seiner Klinik zu halten, und wollte Liebermann als Akademiepräsidenten darauf aufmerksam machen. In den Jahren bis 1932 erwarb Forster von Lattner aus dem nahen Anklam noch weitere Aquarelle und vier Gemälde. Im Herbst 1933 nahm sich Edmund Forster das Leben (vgl. „Schlafende“, A IV 201). 1937 erklärte der Universitätszeichenmeister Wilhelm Kästner fast all diese Werke Lattners zur „entarteten Kunst“, nachdem sie schon jahrelang in einem Bodenraum der Klinik abgestellt gewesen waren. Im Auftrag des preußischen Kultusministeriums wurden 20 der Bilder Anfang 1939 der Nationalgalerie zur Aufbewahrung überwiesen (Universitätsarchiv Greifswald, Kurator Nr. 450, Bl. 338–342). Das in dem Brief an Liebermann erwähnte, heute im oberen Teil schwer brandgeschädigte Gemälde zeigt einen Mann in kämpferischer Haltung, der die Stange der hinter ihm wehenden Fahne mit beiden Händen gleich einer Waffe hält. Lattner hatte sein malerisches Werk mit expressiven Darstellungen einzelner Personen begonnen, Titel entsprechender Bilder lauten: Siegfried, Elia, Judas. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz