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Ecce homo

Ident. Nr.: FNG 140/09

ObjID: obj:1423002

Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Josef Scharl (1896 - 1954),
Künstler*in
Datierung
1931
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass des Künstlers (Alois Scharl),
393096
Galerie Nierendorf, Berlin,
393097
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 47 x 37 cm
Erwerbung
2009 Ankauf von Michael Adrians, Galerie Hermeyer GmbH, Potsdam, durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Zu seinem kleinen, eindrucksvollen Porträt eines Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg, dessen rechte Gesichtshälfte eine Kriegsverletzung entstellt, regte Scharl womöglich das Buch „Krieg dem Kriege“ an. Darin hatte der Anarchopazifist Ernst Friedrich 1924 die Schrecken des Krieges durch Porträtaufnahmen verwundeter und verstümmelter Soldaten dokumentiert; 1925 gründete er das Anti-Kriegs-Museum in Berlin. Scharls Gemälde bedeutete ebenfalls Kritik zu einer Zeit, in der militaristische Tendenzen wieder erstarkten. Der Künstler selbst war 1916 nahe Verdun im Schützengraben verschüttet worden. Nach Kriegsende hatte der gelernte Dekorationsmaler, Lackierer und Vergolder die Münchner Kunstakademie besucht und sich im Anschluss mit dem Werk Vincent van Goghs auseinandergesetzt, dessen pastosen Duktus er übernahm. Scharl, Vertreter einer spätexpressionistischen Stilhaltung, ging es inhaltlich besonders um die sozialen Missstände seiner Zeit. Trotz solcher kritischen Tendenz kommerziell erfolgreich, war er ab Oktober 1931 Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Dort entstand wohl „Ecce homo“, wie der Vermerk links oben nahelegt. Der Titel zitiert Pontius Pilatus’ Worte, als er dem Volk den gefolterten, dornengekrönten Jesus zur Entscheidung über dessen Schicksal vorführt (Johannes 19, 4–6): „Siehe, der Mensch“. Scharl übertrug diese Option in die Gegenwart. Die Gesichtshälften thematisieren Sehen und Nicht-Sehen. Den Krieg sehen, durch ihn erblinden, sehend auf den nächsten Krieg zusteuern oder aus dem Kriegserlebnis lernen: Der Mensch sieht sich – ganz „Ecce-Homo“ – in diese Situation gestellt und ist zugleich aufgerufen, selbst zu entscheiden. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson