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Bahnhofskiosk

Ident. Nr.: A IV 334

ObjID: obj:960295

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Fuhrmann (1893 - 1952),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bahnhofskiosk
Übersetzung: Train Station Kiosk
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 67 cm
Erwerbung
1976 Ankauf von der Galerie am Sachsenplatz, Leipzig

Objektbeschreibung

Der in verschiedenen Pflegefamilien aufgewachsene Fuhrmann schloss 1910 eine Lehre als Dekorationsmaler ab und studierte von 1912 bis 1915 bei Emil Orlik an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin. Nach dem Ersten Weltkrieg malte er einerseits expressiv-abstrakt, andererseits produzierte er sozialkritische Grafiken und Dada-Collagen. Diese Werke stellte er zwischen 1922 und 1925 in der Berliner Galerie Der Sturm aus. Das Gemälde „Bahnhofskiosk“ von 1926 hingegen zeigt einen Wandel hin zur konstruktiven Staffelung farbiger Rechteckflächen und diagonaler Streifen. Gesichter, Strichfiguren, Bildsymbole und Wortfragmente legen Assoziationen nahe. So könnte es sich bei dem Kopf im Zentrum um die Kioskverkäuferin handeln, die ein Auge auf den Zugabfertiger geworfen hat und sich eine gemeinsame Zukunft nach „FEIE(R)ABE(ND)“ erträumt. Umgekehrt wird sie von einem Kunden in den Blick genommen, der mit einem großen Geldschein („[MI]LLE“ = 1.000 Reichsmark) eine „MODE“-Zeitschrift kaufen will, während ein anderer bereits eine „REVUE“ erstanden hat. Der „ORT“ ist ein „(GL)AS“-Pavillon in „BE(RLIN)“. Eine Welt zwischen Kursbuch und „KUNS(T)BU(CH)“. Durch Fragmentierung und Überlagerung hat Fuhrmann die zerstreuten Gedanken, Träume und Wahrnehmungen von Reisenden und Personal in der von Sinnesreizen überfluteten Fülle eines Großstadtbahnhofs prägnant zur Anschauung gebracht. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson