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Schlafende

Ident. Nr.: A IV 201

ObjID: obj:960548

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Konrad Adolf Lattner (1896 - 1979),
Künstler*in
Datierung
um 1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Schlafende
Übersetzung: Woman Sleeping
Provenienz
Kauf: Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald,
vor 1933 - 1939
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 61 x 77 cm
Erwerbung
1939 Überweisung durch die Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald auf Anweisung des Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Im Vergleich zu den Aquarellen entspannt Schlafender im Werk Lattners wird das Besondere dieses Gemäldes deutlich: Es ist kunstvoll aus wenigen Tönen aufgebaut, ein roter Vorhang schirmt die intime Szene altmeisterlich ab. Entgegen der Tradition aber wirken die Gesichtszüge angestrengt, die herben Körperformen zeigen skulpturale Züge und erinnern an Lattners Ausbildung zum Bildhauer. Das Gemälde gehörte wie zahlreiche motivgleiche Aquarelle zu den von Edmund Forster für die Räume der Nervenklinik in Greifswald erworbenen Arbeiten. Eine bösartige Denunziation von 1933, die zum Selbstmord Forsters beitrug (vgl. „Fahnenträger“, A III 897), erwähnt sie: „Ferner ist die Nervenklinik mit besonders reizvollen Bildern (schönen Frauenbrüsten etc.) ausgestattet, welche ‚Werke‘ eines Anklamer Malers sind und derzeit aus Freundschaft wohl und besonderer Liebe für derartige Kitsch-Kunst‘ abgekauft wurden […]. So wurden Institutsgelder verwendet!“ (Universitätsarchiv Greifswald, Personalakten 486, Bl. 69 f.). In der Tat scheint Forster, in dessen Haus zahlreiche Schauspieler und Künstler verkehrten, mit Lattner freundschaftlich verbunden gewesen zu sein. Auch sein Biograf schreibt, die Kunstwerke wie die Entwürfe für das neue Mobiliar der Klinik stammten „von einem Freund der Familie Forster, dem Anklamer Künstler Konrad A. Lattner“ (Jan Armbruster, Zur Lebensgeschichte und zu den Hintergründen für den Freitod des Greifswalder Psychiatrieprofessors Edmund Forster [1878–1933], in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, 5. Jg. [2001], H. 1, S. 53, 56). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson