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Frau am Fenster

Ident. Nr.: A IV 198

ObjID: obj:960592

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Konrad Adolf Lattner (1896 - 1979),
Künstler*in
Datierung
um 1927-1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Frau am Fenster
Übersetzung: Woman at the Window
Provenienz
Kauf: Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald,
vor 1933 - 1939
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 80 x 62 cm
Erwerbung
1939 Überweisung durch die Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald auf Anweisung des Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Nach dem Studium der Bildhauerei von 1913 bis 1920 an der Kunstgewerbeschule in Hamburg, unterbrochenen von einem dreijährigen Kriegsdienst, kehrte Lattner in seine Heimatstadt Anklam zurück. 1921 heiratete er hier Mascha Haeske (Lebensdaten unbekannt). Es ist anzunehmen, dass sie vor allem das Modell der ab Mitte der 1920er-Jahre so zahlreich schlafend, ruhend oder nähend dargestellten Frauen war. In dieser starken Hinwendung zu dem stets erreichbaren Modell ähnelt Lattners Werk demjenigen Max Liebermanns. Edmund Forster, der „Frau am Fenster“ für die Räume der Nervenklinik in Greifswald erwarb (vgl. „Fahnenträger“, A III 897) wählte für seine Patienten vor allem Darstellungen aus einem entspannt-alltäglichen Leben aus, neben Ruhenden und Sinnenden auch Musizierende und Kartenspieler. Die 15 von ihm erworbenen Aquarelle Lattners, die 1939 zusammen mit dessen Gemälden in die Nationalgalerie gelangten (sie befinden sich heute im Kupferstichkabinett, Berlin), zeigen etwa zur Hälfte Szenen mit vermutlich Mascha Haeske, so wie auch das Bild „Frau am Fenster“ ihr Konterfei wiedergibt. Meist jedoch besitzen die Gemälde, darunter dieses, eine größere Stufe der Abstraktion als die Aquarelle. Die steif-papierartigen Formen der Gardine, des gelben Kleides und des Stoffstreifens in den Händen verbinden das Bild mit den Bestrebungen der Neuen Sachlichkeit. Das Motiv der „Frau am Fenster“ wiederum steht in einer langen Traditionslinie, die Lattner mit Sicherheit vertraut war. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz