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brauende Hexen

Ident. Nr.: NG MB 117/2000

ObjID: obj:965308

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Klee (1879 - 1940),
Künstler*in
Datierung
1922
Weitere Titel
Sammlungstitel: brauende Hexen
Übersetzung: Brewing Witches
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1928
Privatbesitz, London,
1928
Auktion: Sotheby´s, London,
7.2.1983
vermutlich Privatbesitz, Schweiz,
396484
Daniel und Eleanore Saidenberg, New York,
396485
Acquavella Galleries, New York,
1985
Richard Saidenberg,
1992
Acquavella Galleries, New York,
1992
Kauf: Heinz Berggruen, Berlin/Paris,
1992–2000
Abmessungen
Höhe x Breite: 32 x 27,5/27,8 cm cm
Erwerbung
2000 Ankauf von Heinz Berggruen mit Unterstützung der Bundesregierung und des Landes Berlin

Objektbeschreibung

Bereits 1908 hatte Klee mit dem Blatt „Klumpgeister, Wischgeister u. Lichtgeister (letztere sehr fragmentarisch)“ (Zentrum Paul Klee, Bern) skurrile Gestalten aus dem „Zwischenreich“ von Himmel und Hölle gezeichnet. Seit 1915 ließ er die Hexenküche brodeln, bizarre Figurationen traten jetzt als Inkarnation des Bösen auf. Dabei hat Klee „das Böse“ und „das Gute“ nicht als starre Antithese gesehen, denn „das Böse soll nicht triumphierender oder beschämter Feind sein, sondern am Ganzen mitschaffende Kraft“ (Paul Klee, zit. nach Otto Karl Werckmeister, Versuche über Paul Klee, Frankfurt am Main 1981, S. 75). Die betont gesetzte „7“ in dem Werk „brauende Hexen“ lässt keinen Zweifel daran, dass die beiden Protagonistinnen im Gezerre um die lichthelle Tischdecke etwas „Böses“ zusammenbrauen werden. Das Setting erinnert an eine Hexenküche in höllisch-schmutzigem Rot, das zu den Rändern hin zur Asche verkohlt. Die „böse Sieben“ gehört zu den alten magischen Zauberformeln wie die sieben Knoten im Seil, um das Böse zu fesseln. Klee hat in der Tradition der alten Hexenmythologie ganz eigene magische Bildszenen und Zeichen gefunden. Auch in den Jahren 1933 und 1934 beschäftigte den Künstler dieses Thema noch, als er die Werke „militarismus der Hexen“ (Zentrum Paul Klee, Bern) und „verhext-versteinert“ (B 185) fertigte, in denen die Machtübernahme der Nationalsozialisten scheinbar in all ihrer Bedrohlichkeit vor Augen geführt wird. | Roland März

Letzte Aktualisierung: 24.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum Berggruen

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Piano (I)

Piano (I)

Picasso hatte in der ersten Monatshälfte des Septembers 1920 noch im Sommerurlaubsort Juan-les-Pins an der Côte d’Azur begonnen, eine Folge von Stillleben zu schaffen. Dieses Genre hatte der Künstler in seiner kubistischen Phase mit besonderer Vorliebe wiederholt. Als Motive wählte er dabei Alltagsgegenstände wie Flasche, Glas, Pfeife, Würfel oder Spielkarte, aber auch Musikinstrumente, insbesondere die Gitarre, gehörten zu den immer wieder eingebrachten Requisiten. Ein Klavier erscheint allerdings kaum einmal (eine spektakuläre Ausnahme bildet das „Stillleben auf einem Klavier“, NG MB 17/2000). Am 26. September, kurz vor der Abfahrt nach Paris, entstanden zwei Gouachen mit dem ausschließlichen Motiv eines Klaviers. Bis in die 1990er-Jahre war offenbar unbemerkt oder unberücksichtigt geblieben, dass die heute im Museum Berggruen befindliche Gouache genauso wie ihr Pendant, „Piano (II)“, im Pariser Musée Picasso das vom Künstler selbst eingetragene Datum „26-9-20“ auf der Rückseite trägt. Beide Fassungen, im Format übrigens fast gleich, sind flächig im Sinne des synthetischen Kubismus aus größeren, wie ausgeschnitten erscheinenden Farbpartien zusammengesetzt, doch anders als bei der 1916 geschaffenen Gouache „Sitzender Mann am Tisch“ (NG MB 29/2000) bleibt hier die abgebildete Gestalt des Pianos (genauer gesagt: eines Flügels) deutlich erkennbar. Somit belegen diese beiden Blätter eine Harmonisierung zwischen kubistischer und klassizistischer Formgestaltung. | Hans Jürgen Papies

Kopf eines Fauns

Kopf eines Fauns

„An die Stelle des Minotaurus“, so Jürgen Thimme, „tritt erst zögernd, dann immer entschiedener ein verwandtes Wesen, der bockshörnige Faun oder Satyr, die beide von Picasso ähnlich dargestellt werden. Zunächst ist er vom Minotaurus noch kaum zu unterscheiden. Sein erstes Auftreten lässt sich auf den 7. April 1936 festlegen.“ Bekannter als diese Zeichnung, die einen sanften Faun mit seiner jungen Familie zeigt und vermutlich auf Marie-Thérèse Walter und die 1935 geborene, gemeinsame Tochter Maya anspielt, ist die Aquatinta aus der „Suite Vollard“. Darauf enthüllt der kniende Faun eine schlafende junge Frau, deren verführerischer Körper nun im gleißenden Sonnenlicht erscheint. Die Kreidezeichnung des Museum Berggruen unterscheidet sich von dieser Darstellung vor allem durch die Reduktion auf den Kopf des Fauns, der, seines mythischen Kontextes weitgehend beraubt, so Porträtcharakter erhält. Der aufmerksam blickende Kopf lässt sich mühelos in die Reihe der Porträts von Dora Maar („Tête de femme au chapeau“, NG MB 64/2000) einordnen, die die Jahre nach „Guernica“ (1937; Museo Reina Sofía, Madrid) bestimmen. Die schrillen Pastellfarben, die in der Kombination von giftigem Grün, Violett, Rot, orangefarbenem Gelb und Blau einen bengalischen Klang erhalten, verleihen diesem Kopf neben einer gewissen hysterischen Effeminierung einen Zug des Halluzinierten, des verführerisch Teuflischen, das sich, bei aller Vorsicht, als politischer Kommentar verstehen lässt. Interessanterweise verschwinden Minotaurus und Faun während der Kriegsjahre, um dann 1946 als heitere Gestalten wieder aufzutauchen. War der Minotaurus der Gefährte Marie-Thérèse Walters und Dora Maars, so gehört der Faun in die Zeit Françoise Gilots, die die Nachkriegsjahre mit Picasso verbringt. | Angela Schneider

Nature morte avec guitare bleue / Guitare et compotier rose

Nature morte avec guitare bleue / Guitare et compotier rose

Picassos Rückkehr zum Klassizismus, wie sie in der Mehrzahl der heute im Museum Berggruen präsentierten Werke, die zwischen 1918 und 1925 entstanden sind, ablesbar ist, war keine ausschließliche Entscheidung. Im Gegenteil, Picasso hatte seine Recherchen zum Bildaufbau des Kubismus nicht völlig aufgegeben und immer wieder daran angeknüpft. Gerade das Motiv des Stilllebens mit Gitarre und Fruchtschale, welches in seiner Variante „vor einem Fenster in Saint-Raphaël“ bereits 1919 (NG MB 31/2000) angezeigt hatte, dass Picasso sowohl kubistisch als auch gegenständlich zu malen suchte, verwendete er im Jahr 1924 wiederholt als Alternative zu klassizistischen und häufig antikisierenden Personendarstellungen. In diesem großen Format dominieren die Farbflächen und das Spiel der Formanalogien. Die runde Form etwa, sowohl Gitarrenloch als auch Obst in der Fruchtschale, verkörpert in der Wirklichkeit entgegengesetzte Volumina: einmal ein Nichts, einmal eine Kugel. Picasso legte aber auch großen Wert auf die Umrisslinien, die er in die Farbe ritzte. Korrekturen und Übermalungen sind in der Nahsicht erkennbar. Dieses Werk wurde 1940 bei dem Pariser Sammler Alphonse Kann beschlagnahmt und sollte, zusammen mit dem oben erwähnten Stillleben und zwei weiteren heute im Museum Berggruen befindlichen Werken („Kopf einer Frau“, NG MB 11/2000, und „Der gelbe Pullover“, 67/2000), ins Deutsche Reich verbracht werden, doch die Résistance konnte den Zug stoppen; Kann erhielt sein Werk 1947 zurück (Biografien der Bilder, Ausst.-Kat. Museum Berggruen, Berlin, 2018, S. 156). | Gabriel Montua

Gitarre und Zeitung

Gitarre und Zeitung

Mit seinem Motiv von Gitarre und Zeitung erinnert dieses großformatige Stillleben an die Bilder, die Picasso gemalt hatte, als er am Anfang des Jahrzehnts in schöpferischer Symbiose mit Georges Braque stand und beide gemeinsam den Kubismus entdeckten. Tatsächlich vermutet Richard Kendall im Katalog zum Londoner Gastspiel der Sammlung Berggruen, Picasso habe das Bild zwischen 1911 und 1913 begonnen (Van Gogh to Picasso. The Berggruen Collection at the National Gallery, Ausst.-Kat., London, 1991, S. 126). Die in dünnem Farbauftrag gemalten grauen Farbflächen wären demnach schon vorhanden gewesen, als Picasso 1916 die kräftigeren, mit deckender Farbe bemalten Flächen sowie drei mit wirklichem Sand bedeckte Felder in die Mitte des Bildes setzte. Ihre Farbdichte und ihre zentrale Position heben sie wörtlich von den grauen Feldern der Peripherie ab. Picasso setzte noch einen weiteren Trick ein, damit die Gitarre uns als zuoberst liegend erscheint: Auf dem schwarzen Feld wird eine ihrer Körperhälften links durch einen Nebel von violetten Punkten umrissen. Ähnliche Punkte, diesmal graue, finden sich in weiteren Feldern links und oberhalb der Mitte. Gerade Letztere wirken, als würden sie vom Hals und vom Kopf der Gitarre überdeckt werden. Folglich erscheinen uns die Punktmuster insgesamt als weiter von der Bildoberfläche entfernt, der Gitarrenkörper gewinnt links also an Volumen. Obwohl wir es nur mit nebeneinanderliegenden Flächen zu tun haben, entsteht auf diese Weise der Eindruck von Tiefe im Bild. | Gabriel Montua

La place II

La place II

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus Genf nach Paris zurückgekehrt, arbeitete Giacometti 1948 an zwei multifiguralen Werken, betitelt „Der Platz I“ (Alberto Giacometti Database 2892) und „Der Platz II“. Sie unterscheiden sich nur geringfügig in der Positionierung der vier männlichen, schreitenden Figuren und der weiblichen, stehenden Figur – in ihrer Grundkonzeption sind sie nahezu identisch. Giacometti etablierte darin jene für ihn an das Geschlecht gebundene Bewegungsmotive, die ihn bis zu seinem Tod beschäftigen sollten, wie etwa in den „Femmes de Venise“ (ab 1956, NG MB 95/2000) und in „Homme qui marche“ (1960, AGD 322). Giacometti beschrieb diese mit Blick auf „Der Platz II“ wie folgt: „Eine bewegungslose Frau und vier Männer, die mehr oder weniger in Bezug zu dieser Frau umhergehen. Mir war bewusst geworden, dass ich immer nur eine bewegungslose Frau und einen gehenden Mann gestalten kann.“ (Alberto Giacometti, Pierre Schneider, „Interview“, in: Wege zu Giacometti, hrsg. v. Axel Matthes, München 1987, S. 157) Auffällig ist die von Giacometti intendierte Allansichtigkeit von „Der Platz II“. Die Figuren sind nicht auf einen Fluchtpunkt ausgerichtet, sondern jede von ihnen scheint einen eigenen, individuellen Fluchtpunkt anzustreben. Die Füße der männlichen Figuren verschmelzen mit der massiven, den gemeinsamen Raum konstituierenden Bodenplatte – ein visuelles Moment, das an die Aufnahmen von Bewegung mittels Langzeitbelichtung denken lässt. | Veronika Rudorfer

Himmelsblüten über dem gelben Haus (das auserwählte Haus)

Himmelsblüten über dem gelben Haus (das auserwählte Haus)

Klee hatte nach der Jahrhundertwende als Zeichner und Radierer des Grotesken begonnen, nach dem langgliedrigen Figurenstil gelang 1914 während einer Reise nach Tunis der Durchbruch im Umgang mit Farbe. Während des Ersten Weltkriegs leistete er seinen Militärdienst als Zahlmeister und Transportbegleiter in der Fliegerschule Gersthofen bei Augsburg fern des Schlachtfeldes – die Aquarelle der Kriegsjahre verraten fast nichts von der Tragik der Zeit. Das „auserwählte“ gelbe Haus mit dem mattroten Ziegeldach im vorliegenden Blatt enthält das Signum „K“, hier, im Architektonischen, ist der Maler Klee im Diesseitigen noch fassbar (vgl. Paul Klee, Diesseitig bin ich gar nicht faßbar, 1920, in: ders., Gedichte, Frankfurt am Main 1991, S. 7). Dem Giebel des Sonnen-Hauses antwortet spiegelbildlich das schwarze Dreieck. Hier schon zeigt sich die kontrapunktische Richtungsorientiertheit der kleeschen Kunst, als verkappte Pfeile weisen die Dreiecke ins Erdreich hinunter und zum Himmel empor. Aus dem Giebel wächst in zwei Ästen nebeneinander die organisch und geometrisch gefasste Naturform hinauf: Florales Wachstum berührt den Himmel, die Grenzen des Irdischen sind gesprengt. Lichte, strahlende Wasserfarbenmalerei, durch den Kreidegrund ein wenig gebrochen, lässt das Irdische im Kosmischen aufklingen. Das kleine, kostbare Aquarell hat Klee auf Karton geklebt und mit einem „Rahmen“ aus Dreiecken dunkler, gedämpfter Farbigkeit versehen. Mit seinen floralen, urbanen und kosmischen Emblemata zählt das Werk zur expressionistischen Kunst des Malers. | Roland März