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Krankes Reh

Ident. Nr.: NG 21/81

ObjID: obj:966845

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1934
Weitere Titel
Sammlungstitel: Krankes Reh
Übersetzung: Sick Deer
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1965
Nachlass/Vermächtnis: Magdalena Goldmann, Berlin,
1965–1981
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 6,8 x 10,7 x 3,3 cm
Erwerbung
1981 Vermächtnis Magdalena Goldmann, Berlin (West), aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

Rehe und Ziegen gehörten schon früh zum Grundrepertoire von Sintenis’ Tierfiguren. Ab 1915 modellierte sie Rehe in verschiedenen Posen (B I 432 und B I 433), es folgten kurz darauf ein ungelenkes „Böckchen“ (NG 102/81) oder die „Liegenden Ziegen“(NG 35/81). Auffallend ist, dass viele ihrer Plastiken Jungtiere darstellen. Offensichtlich zogen die Künstlerin die besonderen Proportionen an, das noch Unfertige der Gestalten, die überlangen, staksigen Beine der Fohlen (vgl. u.a. NG 16/81 oder NG 17/81), Rehe (NG 20/81 und NG 21/81), Ziegen (NG 102/81) oder jungen Stiere (NG 23/81), die sich in noch unbeholfener, aber spielerischer Bewegung befinden. Als Devise für ihre Tierskulpturen gab Sintenis 1931 in einem Interview an: „Jedes Tier soll man zu der ihm eigenen Schönheit entwickeln, dann gibt man ihm die Erfüllung seines Daseins, das Glück seines Lebens, die Beseeligung, die im Leben selber ruht, und die wir verlernt oder vergessen haben zu erfühlen“ (zit. nach Ada Schmidt-Beil, Die Kultur der Frau, Berlin 1931, S. 276). Die Nationalgalerie besitzt mehr als siebzig Tierplastiken, Porträts und Figurendarstellungen von Sintenis, zudem eine große Anzahl an Gussmodellen, die 1981 aus dem Nachlass der 1965 verstorbenen Künstlerin als Schenkung in die West-Berliner Sammlung der Nationalgalerie gelangten. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Waldinneres auf Bali

Waldinneres auf Bali

In den 1910er- und 1920er-Jahren wurde der Maler, Grafiker und Bühnenbildner Heuser als expressionistischer Künstler bekannt. Er war seit 1913 Mitglied der Berliner Freien Secession und gehörte 1919 zu den Gründern der Darmstädter Sezession. 1926 reiste Heuser zusammen mit dem Maler Robert Genin nach Java, Sumatra und Bali. Dort fertigte er viele Aquarelle sowie das Gemälde „Waldinneres auf Bali“. Das Bild zeigt einen dichten Wald, aus dem sich zwei halb bekleidete indigene Frauen auf ihn zu bewegen. Sie sind umgeben von Bäumen, Blumen und weiteren Pflanzen in verschiedenen intensiven Grün- und Brauntönen. Heuser wollte unbedingt die Einwohner Balis malen. In seinem Aufsatz „Modellsorgen auf Bali“ hat er beschrieben, wie schwer es war, Frauen als Modelle zu gewinnen oder sie unbemerkt zu beobachten, um sie zu zeichnen (Heinrich Heuser, Modellsorgen auf Bali, in: Kunst der Zeit, 1. Jg. [1927], H. 2, S. 44 f.). Sein Blick auf das scheinbar „Exotische“, der auch im Aufsatz zum Ausdruck kommt, resultierte aus einem seit Jahrzehnten allgemein wachsenden Interesse für die vermeintlich unberührte Natur in von europäischen Ländern kolonialisierten Regionen sowie die Lebensweise ihrer Einwohner. Weitere in Deutschland kulturell Tätige reisten wie Heuser und Genin nach Indonesien (damals Niederländisch-Indien), sowohl bekannte, wie die Autorin Vicki Baum und der Künstler Walter Spies, als auch weniger einflussreiche Personen, zum Beispiel der Maler Arnold Busch. | Emily Joyce Evans

Der Spaziergänger

Der Spaziergänger

Das Sujet des Spaziergängers oder Wanderers begleitete Barlach über viele Jahre. Einerseits ging er selbst täglich über Land, andererseits war ihm das Wandermotiv auch ein Symbol für den Lebensgang an sich. In seiner Skulptur schreitet der füllige Spaziergänger in kräftiger Bewegung mit auf dem Rücken verschränkten Händen gegen den Wind aus. Barlach hat in seinen Taschenbüchern und Skizzenheften ab 1909 unzählige Studien zu Gehenden und Stehenden festgehalten. Die Anlage der Figur folgt einer Kohlezeichnung von 1911 (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 1, 1060), in den Taschenheften von 1912 gibt es Einzelstudien zu Gesicht und Händen (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 2, Heft 1163, 6, 21, 22). Noch in seinen Aufzeichnungen von 1916 sinnierte der selbstkritische Künstler über diese Skulptur: „Nur zum Beispiel in dem ‚Schlafenden Paar‘ und dem ‚Spaziergeher‘ liegt so etwas von schlichter Ledigkeit, ledig von allzu stündlicher Zeitigkeit, Weltgefühl, Hängen im großen, bloßen Dasein ohne Zeiteinteilung sind drin. Ich ging bei verwölktem Vollmond auf den Parumer Wiesen und stocherte nach Pilzen“ (Ernst Barlach, Güstrower Tagebuch, Heft 4, 9.11.1916, zit. nach Ernst Barlach. Werke und Werkentwürfe aus fünf Jahrzehnten, Band 1: Vorworte, Einleitung. Plastik 1894–1937, Ausst.-Kat., Berlin, 1981, S. 54). Nach dem ersten Entwurf in Ton schuf Barlach noch 1912 eine Fassung in Eichenholz (WVZ Laur 2006, 190). Die ersten Bronzegüsse entstanden 1938 in der Berliner Gießerei Noack. In diesem Zusammenhang könnten auch die verschiedenen Stukkogüsse wie der vorliegende gefertigt worden sein. | Angelika Wesenberg

Berglandschaft

Berglandschaft

Ob die „Berglandschaft“ auf einen konkreten Ort bezogen ist, etwa den Drachensee in Tirol vor der Mieminger Bergkette, ist unklar, denn eine Urlaubsreise Jaeckels ist für das Jahr 1919 nicht belegt: Allerdings verzeichnete der Künstler beachtliche Erfolge wie die Aufnahme in die Akademie der Künste zu Berlin im Januar 1919 und verkaufte offenbar so gut, dass Ende des Jahres „fast gar keine Bilder mehr verfügbar“ waren (Willy Jaeckel an Anton Brüning, Dezember 1919, zit. nach Dagmar Klein, Der Expressionist Willy Jaeckel, 1888–1944. Gemälde – Biographie – Künstlerbriefe, Köln 1990, S. 591) und im Frühjahr 1920 ein Haus in einem Hochtal im Allgäu erworben werden konnte. Künstlerisch beschäftigte sich Jaeckel 1919 vor allem mit religiösen Themen und theosophischen Fragen. Rückblickend schrieb er 1921: „Zurückgekehrt aus grauenhaftem Kriegslärm, sah ich das Land, das der Bebauung harrte. Neue Regungen zu neuen Werten waren bereit, mitzuhelfen an dem geistigen Dome der Menschheit. Das Licht schien wieder, das Licht aus eigenem Licht geboren. Die Dämmerung zerreißend, sah ich es wieder, und es zu sehen, heißt auch erkennen“ (Willy Jaeckel, in: Das graphische Jahr, Berlin 1921, S. 64, zit. nach Klein, S. 36). Dieses zeittypische Bedürfnis nach Spiritualität scheint dafür zu sprechen, Jaeckels „Berglandschaft“ mit einem See im von Frühnebel durchzogenen Hochgebirge als Sinnbild für den Beginn einer neuen Zeit zu deuten. | Dieter Scholz

Blick vom Rupenhorn auf die Havel

Blick vom Rupenhorn auf die Havel

Das Gemälde ist eine radikale Bildfindung, stellt es doch eine vollständig ins Rutschen geratene Welt auf schiefer Ebene vor Augen, die sich noch dazu vor der eigenen Haustür auftut. Beckmann, der von 1925 bis 1933 Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main gewesen war, hatte sich nach seiner Entlassung durch die neuen Machthaber nach Bayern und Berlin geflüchtet. Er hoffte, in der Anonymität relativ sicher zu sein, verhinderte größeres Aufheben zu seinem 50. Geburtstag 1934 und wartete ab. Angesichts von Kontakten zu der NS-Elite nahestehenden Sammlern spekulierte der Maler vielleicht sogar darauf, nicht völlig ausgeschaltet zu werden. Einen offiziellen Platz konnte er jedoch nicht mehr einnehmen, und das wurde ihm immer deutlicher. In einem Brief vom 28. April 1936 erinnerte er seine Frau Mathilde daran, mit in den Niederlanden lebenden Verwandten „die Möglichkeiten einer Übersiedlung zu besprechen“ (Max Beckmann, Briefe, Band II, München/Zürich 1994, S. 261). Damit war die Emigration aus Nazideutschland konkret ins Auge gefasst und erfolgte im Juli 1937. Die Wirklichkeit des Bildes ist porös: Beckmann hat die farbige Untermalung des Gemäldes an vielen Stellen stehen gelassen und darauf fast aquarellhaft tupfend die (Stadt-)Flusslandschaft mit der Baumgruppe gestaltet, die so einen kontingent-flüchtigen Charakter annimmt. Alle Bäume neigen sich nach links, ebenso das gelbe Haus und die Balkonbrüstung. Nur der rosafarbene Weg und die ovale Form einer Sessellehne stabilisieren links ansatzweise die aus dem Gleichgewicht gebrachte Komposition. Der Künstlerexistenz wird der Boden buchstäblich unter den Füßen weggezogen. | Olaf Peters

L'oiseau dans l'espace

L'oiseau dans l'espace

Im Oktober 1926 sandte Brâncuşi zwanzig Skulpturen von Paris nach New York, wo er in der Brummer Gallery eine Einzelausstellung hatte. Für die Werke legte der US-amerikanische Zoll eine Gebühr von 4.000 Dollar fest, was etwa vierzig Prozent ihres Wertes entsprach. Die Grundlage war nicht die Gebührenordnung für Kunstwerke, sondern für industriell hergestellte Waren aus Metall und Stein. Unter den Skulpturen befand sich eine Bronzeversion des „Vogels im Raum“ von 1926, die dem Fotografen Edward Steichen gehörte. Er, andere Sammler und Brâncuşi selbst forderten, die Arbeiten als Kunstwerke zu verzollen. Es folgte ein Gerichtsprozess, der als „C. Brancusi vs. United States“ Rechts- wie Kunstgeschichte schrieb. Im Zentrum des Präzedenzfalls stand der „Vogel im Raum“ – für die einen eine Ikone der modernen Skulptur, für die anderen ein circa 135 Zentimeter langes schmales und perfekt poliertes Stück Metall. Brâncuşi hatte bereits seit 1910 an dem Vogelmotiv gearbeitet und sich dabei immer mehr von einer herkömmlichen figürlichen Darstellung entfernt. Anstatt die Gestalt eines Vogels mimetisch wiederzugeben, veranschaulichte der Bildhauer durch schlanke Formen und subtil geschwungene Konturen die Dynamik des Fluges. Der New Yorker Richter erkannte den „Vogel im Raum“ schließlich als Kunstwerk an, sodass Brâncuşi den Prozess gewann. In den 1970er-Jahren autorisierten dessen Erben vier neue Güsse des Werkes, von denen der erste in die Sammlung der Nationalgalerie (West) einging. | Nina Schallenberg

Große Felslandschaft

Große Felslandschaft

Im März 1933 verlor Lange seine Professur an der Kunstschule in Plauen. Gemeinsam mit zwei ebenfalls entlassenen Kollegen klagte er gegen diese Willkür, was am Ende ohne Erfolg blieb und die Annahme anderer Lehrämter unmöglich machte. Auch an Ausstellungen beteiligte er sich nicht mehr; er blieb für die folgenden Jahre damit weitgehend unerwähnt und sein Werk unbekannt. Lange zog zurück nach Dresden, übernahm verschiedene Dekorationsaufträge, und er begann, wie bereits als Student, wieder mit ausgedehnten Wanderungen durch die nahe Sächsische Schweiz. Die skurrilen Felsen dieser Region hatte er schon um 1913 mit Sinn für Form und Struktur in seinen Radierungen festgehalten. Nun entstanden zahlreiche sorgfältig ausgeführte Gemälde derselben Gegenden. Das Winterbild „Große Felslandschaft“ ist bestimmt von dem Weiß des Schnees und den unter einem Abendhimmel beleuchteten Felsen. Lange zeichnete mit dem Pinsel deren Struktur und färbte das Gestein in sehr dünner, lasierender Malerei reichfarbig ein. Will Grohmann hatte schon 1922 auf die Beziehungen zur sächsischen Romantik verwiesen, man könne leicht „auf den verwegenen Gedanken kommen, seiner sächsischen Abstammung weiter nachzugehen und eine Beziehung zur besten Dresdner Landschaftsmalerei nach 1800 feststellen. Wäre es ein Wunder, wenn Otto Lange nach so vielen Jahren in Dresden etwas von der Musik dieser Landschaft und ihrer Entdecker in sich einfließen ließe?“ (Will Grohmann, Handzeichnungen von Otto Lange, in: Der Cicerone, 14. Jg. [1922], H. 22, S. 900). | Angelika Wesenberg

Wald

Wald

Bereits 1962/1963 hatte Uecker Nägel in hölzerne Alltagsgegenstände geschlagen. Tische, Stühle, Fernsehapparate oder Konzertflügel erhielten dadurch die Anmutung afrikanischer Nagelfetische. Arbeiten mit naturbelassenem Holz entstanden erst später: „Angefangen hatte es ja mit einem Baum 1980, der starb in Wuppertal, der gefällt werden mußte. Da ich aufgefordert wurde, in der Galerie Brusten eine Ausstellung zu machen, habe ich diesen Baum in den Ausstellungsraum gestellt, oben rund geschlagen und mit der Asche der übrigen verbrannten Teile der Äste – mit Leim versehen – behäuft, so wie Asche aufs Haupt, und bekrönt. Ich habe ihm damit ein nekrophiles Dasein gegeben, ein künstliches Leben. […] Mehr assoziativ die geschundene Natur; auch Christus, der geschundene Leib, der einfach warnend vor uns steht. Ich nannte das Ganze auch Kunstpranger. Mit Hilfe der Kunst ist da etwas angeprangert.“ (Uecker in: Günther Uecker, Kann Fruchtbarkeit auf Asche gründen, Ausst.-Kat., Lübeck, 1990, S. 19) Seit 1984 entstanden verschiedene mehrteilige Gruppen unter dem Titel „Wald“, beginnend mit der achtteiligen Fassung der Nationalgalerie. Deren Direktor sah darin „ein kritisches Environment als Mahnmal gegen das Waldsterben“ (Dieter Honisch, Über einige Neuerwerbungen, in: Verein der Freunde der Nationalgalerie, Heft 6, 1989, S. 13). Die großflächige Schädigung des Baumbestandes führte mit zur Gründung der westdeutschen Umweltschutzpartei Die Grünen 1980 und zu deren erstmaligem Einzug in den Bundestag 1983. | Dieter Scholz

Fischreiher

Fischreiher

Der dänische Bildhauer und Medailleur Malinowski studierte von 1918 bis 1921 an der Bildhauerschule der Kopenhagener Akademie und besuchte Paris, Berlin und London. Bekannt wurde er vor allem für Schmuckdesign. In wessen Auftrag oder für welchen Zweck er das Flachrelief „Fischreiher“ (B III 256) schuf, ist nicht bekannt. Malinowski hat hier mit Grau- und Schwarztönen gearbeitet. Oben lässt die Sonne oder der Mond den Reiher zur dunklen Silhouette werden. In der unteren Hälfte kommt das Licht auch von der Betrachterseite, denn die beiden konzentrischen Wellen sind ebenso wie die Beine und Federn des Reihers hell gestaltet. Dieses ruhige, friedliche Bild des einsam im Wasser stehenden Vogels befindet sich in krassem Gegensatz zum „Militärgeistlichen“ (B III 255). Hier ruht ein Soldatenhelm nicht auf einem menschlichen Gesicht, sondern auf einem Totenkopf. Der Seelsorger der Soldaten ist selbst ein Toter. Seine Augenhöhlen versinken tief im Schatten des Helmrands, die Jochbeine stehen hervor. Die Basis der Skulptur bildet eine große, radförmige, wie eine Halskrause wirkende Struktur mit regelmäßigen Einkerbungen, die entfernt an eine Panzerkette denken lassen. Das Kreuz auf dem Helm kennzeichnet den Geistlichen, doch darunter verbirgt sich etwas Drohendes. Der Helm entspricht der Ausstattung deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg, erkennbar an dem tiefen Rand, der den Nacken schützt, sowie den Belüftungslöchern links und rechts. Malinowskis Sohn Kuno, der sich mit seinem Bruder Ivan, einem Schriftsteller, das Erbe des Bildhauers teilte, schenkte 1986 insgesamt drei Werke nach Ost-Berlin, da die Eltern des Künstlers aus Berlin stammten, vor allem aber aus politischen Gründen, wie er selbst hervorhob: „Wichtiger noch ist allerdings, dass in unserer Zeit die DDR die Hauptträgerin der deutschen Kulturtradition ist“ (SMB-ZA, II A/NG 336, Bl. 414). | Emily Joyce Evans