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Springender Bock

Ident. Nr.: NG 22/81

ObjID: obj:967289

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1927
Weitere Titel
Sammlungstitel: Springender Bock
Übersetzung: Leaping Buck
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1965
Nachlass/Vermächtnis: Magdalena Goldmann, Berlin,
1965–1981
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 15,2 x 16 x 6,2 cm (inkl. Plinthe)
Erwerbung
1981 Vermächtnis Magdalena Goldmann, Berlin (West), aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

1928 entstand die Plastik „Großer springender Bock“, ein Tier mit langem zottigen Fell, das in Strähnen um den Leib hängt. Es steht auf den Hinterbeinen, die Vorderhufe zum Angriff bereit in der Luft. Rauflustig scheint es jedem, der sich ihm nähert, die Stirn zu bieten. Die Figur ist die Vergrößerung des „Springenden Bocks“ aus dem Jahr zuvor, der sich ebenfalls im Bestand der Nationalgalerie befindet (NG 22/81). Konzipiert war die große Version als Gartenplastik, ebenso wie die Vergrößerung des 1927 gefertigten „Esels von Seelow“, der im Auftrag des Bankiers Hugo von Simon entstand (WVZ Berger/Ladwig 2013, 89). Vermutlich war auch der „Große springende Bock“ ein Auftragswerk, allerdings kann derzeit noch nicht nachgewiesen werden, wer die Arbeit veranlasste. Die Skulptur gelangte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs über das Berliner Amt für Rückführungen und Museen in den Bestand der Nationalgalerie (Ost). Zuvor war sie in den Trümmern Berlins als herrenloses Kulturgut geborgen worden. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Der Dichter Michael Georg Conrad

Der Dichter Michael Georg Conrad

Das Bildnis zeigt den Schriftsteller, Journalisten, Kunst- und Literaturkritiker Conrad (1846–1927), mit dem Mayer-Felice befreundet war. Wie der Beschriftung auf der Rückseite zu entnehmen ist, entstand das Bild anlässlich des 80. Geburtstages. In den 1880er-Jahren gehörte er als Herausgeber der Zeitschrift „Die Gesellschaft“ zu den Wegbereitern des deutschen Naturalismus. Nach der Jahrhundertwende spielte er im deutschen Literaturbetrieb kaum noch eine Rolle. Bereits im Frühwerk angelegte Tendenzen zu völkischem Nationalismus, Kraftkult und rassenhygienischen Vorstellungen verstärkten sich im Alter und führten dazu, dass nach Conrads Tod im Nationalsozialismus eine neue Verehrung seiner Person einsetzte. Conrad, dessen hünenhafte Gestalt und persönliche Ausstrahlung die Zeitgenossen beeindruckt haben soll, wird hier als stattlicher Greis mit weißem Bart und vollem Haar auf einem gotisierenden Sessel in Szene gebracht. In Seitenansicht wiedergegeben, schaut er aus dem Bild hinaus in eine unbestimmte Ferne – scheinbar schon Zeit und Raum entrückt. Den Hintergrund bilden sonnenbeschienene Bergformationen, über denen er gleichsam wotanartig thront. Conrad war nach eigener Meinung „einer der ältesten Wagnerianer“ (Gerhard Stumpf, M. G. Conrad. Ideenwelt, Kunstprogrammatik, Literarisches Werk, Frankfurt am Main 1986, S. 159), befasste sich mehrmals literarisch mit dem Komponisten und verkehrte in dessen Haus. In dieser heroisierenden Darstellung verleihen die Statuarik der Figur und die an der Sessellehne emporrankenden Efeublätter dem Porträt bereits Denkmalcharakter. | Gudrun Gorka-Reimus

Die Vision

Die Vision

„Die Vision“ vereinigt auf überraschende Weise zwei Holzreliefs. Das untere, kleinere Teilstück zeigt eine liegende weibliche Figur mit geschlossenen Augen, den Kopf an einer Erhöhung träumend zurückgelehnt. Sie ist vorgeprägt in Zeichnungen, eine von 1912 gibt die Züge des Kunstkritikers Theodor Däubler wieder (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 1, 1207). Barlach hat das Motiv später noch einmal einzeln, vollplastisch, wiederholt in der Holzfigur „Der Träumer“ von 1925 (WVZ Laur 2006, 384). Das obere, größere Relief zeigt eine ruhige, mit verschränkten Armen über einer hügeligen Landschaft schwebende Gestalt. Dieses für ihn zentrale Motiv hat Barlach mit variierendem Sinngehalt über Jahrzehnte in Zeichnungen und plastischen Werken wiederholt, bis hin zum „Schwebenden“ im Dom von Güstrow (1927). Ganz direkt verwandte er die Figur noch einmal in seinen Entwürfen für das Grabmal von Theodor Däubler 1935 (WVZ Laur 2006, 591), das er jedoch aus politischen Gründen nicht ausführen konnte. Den Gips des Schwebenden von 1912 für das vorliegende Relief hat Barlach nachträglich, im März 1933, mit der geritzten Inschrift versehen: „Freiheit die ich meine“ (WVZ Laur 2006, 172). Aus dem Besitz des Galeristen Paul Cassirer, mit dem Barlach ein Vertrag verband, erwarb der Bankier und Kunstsammler Hugo Simon 1919 das Werk, aus dessen Nachlass es 1952 für die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ angekauft wurde. 1938 war „Die Vision“ in der als Gegenausstellung zu der Münchner Schau „Entartete Kunst“ konzipierten Präsentation „Twentieth Century German Art“ in London zu sehen gewesen. | Angelika Wesenberg

Bäuerin

Bäuerin

Der in einfachsten Verhältnissen in der russischen Provinz Rjasan aufgewachsene Archipov studierte in Moskau und Sankt Petersburg. Zunächst widmete er sich Landschaften und Genrebildern. 1891 wurde er Mitglied der Künstlergenossenschaft Peredwishniki (Wanderer), die Verkaufsausstellungen an verschiedenen Orten veranstaltete und in der späteren Rezeption vor allem als sozialkritische, realistische Bewegung gedeutet worden ist. 1894 folgte Archipow einer Berufung an die Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Baukunst, 1916 wurde er Mitglied der dortigen Kunstakademie. Dieser berufliche Erfolg setzte sich auch nach der Revolution 1917 fort: 1924 trat Archipow der Assoziation der Künstler des revolutionären Russlands (AChRR) bei, drei Jahre später wurde er als „Volkskünstler“ ausgezeichnet. Das Gemälde „Bäuerin“ gehört zu einer Werkgruppe von Bauernbildnissen, der sich der Maler ab etwa 1914 widmete. Typisch für diese Serie sind Einzelporträts von gesund und glücklich aussehenden Kleinbäuerinnen mit Kopftüchern und in bunter, zumeist roter Kleidung. Solche Arbeiten, die stilistisch gesehen der Zeit vor der Revolution angehören, schuf der Künstler bis zu seinem Lebensende. Archipow wurde in der Sowjetunion als Realist wahrgenommen, ebenso wie die anderen Peredwishniki. Seine Verbindung zu der Künstlergenossenschaft dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass die „Bäuerin“ 1951 in der DDR auf Interesse stieß und von der Nationalgalerie angekauft wurde. | Emily Joyce Evans