Sitzende Frau
Ident. Nr.: NG MB 61/2000
ObjID: obj:967514
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Museum Berggruen
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1938
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Sitzende FrauOriginaltitel: Femme assiseÜbersetzung: Seated Woman
- Provenienz
- Institute of Contemporary Art, London,
1951Brook Street Gallery, London,
1960Eric Estorick/Grosvenor Gallery, London,
1960Grosvenor Gallery, London,
1998Mitchell-Innes & Nash, New York,
12.8.1998Kauf: Heinz Berggruen, Berlin/Paris,
12.8.1998–2000 - Material / Technik
- Tusche, laviert, auf Papier
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 67,8 x 44,5 cm
- Erwerbung
- 2000 Ankauf von Heinz Berggruen mit Unterstützung der Bundesregierung und des Landes Berlin
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/967514
Objektbeschreibung
Die Tuschzeichnung mit dem lapidaren Titel „Sitzende Frau“ ist ein schwer nachvollziehbares Werk des Künstlers. In dem Blatt sind die Bildzeichen überwiegend geometrisierend abstrahiert. Einzig in der unteren Körperpartie der „Sitzenden“ nimmt der Schoß mit den wie Blutwürste abgeschnürten Beinstümpfen eher organische Formen an, als ob die intime Schamgegend der Frau real am ehesten verletzbar sei. Sie wird auch nicht so recht abgeschirmt von der gewölbeartigen Halbschale des Leibes, über der sich die geometrisierende Struktur eines komplizierten und dennoch ausgewogenen Bauwerkes entwickelt. Obschon die Deformationen in Picassos Darstellung des Körperlichen bereits in den 1920er-Jahren eingesetzt hatten, traten sie in dieser extremen Weise erst in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre zutage. Ein Grund dafür könnten politisch-gesellschaftliche Missstände ab Mitte der 1930er-Jahre gewesen sein: eine Militärrevolte gegen die Volksfrontregierung in seinem Geburtsland Spanien, die der Faschist Francisco Franco zu einem Bürgerkrieg ausweitete; die Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch die deutsche Legion Condor am 26. April 1937, auf die Picasso im selben Jahr mit dem wandgroßen, anklagenden Gemälde „Guernica“ (Museo Reina Sofía, Madrid) reagierte. Auch die Aktion „Entartete Kunst“ im Juli 1937 in Deutschland ließ den Maler keineswegs gleichgültig. All dies führte offenbar zu einer Expressivität, die sich in extremer Deformation und Dissoziierung, der willkürlichen Setzung von Körperteilen und Fragmenten äußerte. | Hans Jürgen Papies
Letzte Aktualisierung: 20.05.2026
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Museum Berggruen