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Medaille Wilhelm von Bode

Ident. Nr.: NG 63/61

ObjID: obj:968336

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ludwig Gies (1887 - 1966),
Künstler*in
Datierung
1920
Weitere Titel
Sammlungstitel: Medaille Wilhelm von Bode
Übersetzung: Medal for Wilhelm von Bode
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 11,1 x 12,1 x 0,5 cm
Erwerbung
1961 Ankauf von Dr. Herbert Dreyer, Berlin

Objektbeschreibung

Die Medaille zu Ehren des Kunsthistorikers Wilhelm von Bode (1845–1929) gehört zu einer Reihe vergleichbarer Exemplare, die Gies im Negativschnitt geschaffen hat. Dabei schnitt er das Motiv direkt in eine Gipsplatte, bevor es positiv in Metall geformt wurde. Vermutlich entstand diese Medaille anlässlich von Bodes 75. Geburtstag. Auf der Vorderseite ist ein Bildnis des Kunsthistorikers zu sehen, das an eine Karikatur grenzt. Überlängt und kantig sind die Gesichtszüge wiedergegeben. Die Augenbraue sticht hervor, über die Wange erstreckt sich fast parallel zur Nase eine Linie, das Auge ist verhältnismäßig klein, das Ohr dagegen sehr groß. Auch die Buchstaben der umlaufenden Inschrift sind überlängt. Die Rückseite zeigt den auf einem Sockel sitzenden Bode bei seiner Tätigkeit. Sein Fuß und eine Schulter scheinen zwei Skulpturen zur Seite geschoben zu haben, während er einen Rahmen in den überdimensionierten Händen hält. Bode selbst hat diese Darstellung wenig geschätzt (Leopold Reidemeister an Kurt Müller, 14.2.1961, SMB-ZA, II/VA 15865). Im selben Jahr schuf Gies weitere Medaillen mit ähnlichen stilisierten Merkmalen (WVZ Ernsting 1995, 204–207). Sie und seine Plaketten sind neben Porträts auch allegorischen Szenen und religiösen Motiven gewidmet. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Stehende

Stehende

Für die Skulptur aus Erlenholz stand Kirchner seine Freundin Erna Schilling (1884–1945) Modell. Erst im Frühjahr 1912, kurz nach seinem Umzug von Dresden nach Berlin, hatte er sie und ihre Schwester Gerda kennengelernt. Beide Frauen arbeiteten als Tänzerinnen in einem Nachtlokal. Mit ihrem kinnlangen Kurzhaarschnitt verweist die Figur – trotz der zeitlosen Nacktheit – auf die Gegenwart. Der zur Seite geneigte Kopf und der Tanzschritt verleihen der „Stehenden“ mit ihren vor dem Schoß verschränkten Händen eine starke Dynamik. Auf der Rückseite ist die Figur dagegen flach und relativ wenig ausgearbeitet. Dies resultiert aus der Form des Holzblocks und signalisiert zugleich klar, dass sich der Künstler von den Gestaltungsidealen akademischer Bildhauerei bewusst abgrenzte und stattdessen an außereuropäischer Kunst sowie der deutschen Frührenaissance orientierte. Auch mit der Wahl des Materials Holz, der damit einhergehenden Rückbesinnung auf die „Hand“ des Künstlers und mit der Maxime, direkt „aus dem Material“ zu schaffen, distanzierte sich Kirchner von der etablierten Arbeitsweise, nach der vom Tonmodell über den Gipsabguss zur Bronzeplastik zu gelangen war. 1925 reflektierte er sein Vorgehen: „Wie anders sieht gegen solche Figuren eine Plastik aus, die der Künstler selbst mit seinen Händen aus dem echten Material bildet, wo jede Wölbung und Vertiefung von der Sinnlichkeit der Hand des Schaffenden geformt wird, wo scharfer Hieb und zartestes Schnitzen unmittelbar das Gefühl des Künstlers ausdrücken“ (Louis de Marsalle [Kirchner], Über die plastischen Arbeiten von E. L. Kirchner, in: Der Cicerone, 17. Jg. [1925], H. 14, S. 696). | Aya Soika

Waldinneres auf Bali

Waldinneres auf Bali

In den 1910er- und 1920er-Jahren wurde der Maler, Grafiker und Bühnenbildner Heuser als expressionistischer Künstler bekannt. Er war seit 1913 Mitglied der Berliner Freien Secession und gehörte 1919 zu den Gründern der Darmstädter Sezession. 1926 reiste Heuser zusammen mit dem Maler Robert Genin nach Java, Sumatra und Bali. Dort fertigte er viele Aquarelle sowie das Gemälde „Waldinneres auf Bali“. Das Bild zeigt einen dichten Wald, aus dem sich zwei halb bekleidete indigene Frauen auf ihn zu bewegen. Sie sind umgeben von Bäumen, Blumen und weiteren Pflanzen in verschiedenen intensiven Grün- und Brauntönen. Heuser wollte unbedingt die Einwohner Balis malen. In seinem Aufsatz „Modellsorgen auf Bali“ hat er beschrieben, wie schwer es war, Frauen als Modelle zu gewinnen oder sie unbemerkt zu beobachten, um sie zu zeichnen (Heinrich Heuser, Modellsorgen auf Bali, in: Kunst der Zeit, 1. Jg. [1927], H. 2, S. 44 f.). Sein Blick auf das scheinbar „Exotische“, der auch im Aufsatz zum Ausdruck kommt, resultierte aus einem seit Jahrzehnten allgemein wachsenden Interesse für die vermeintlich unberührte Natur in von europäischen Ländern kolonialisierten Regionen sowie die Lebensweise ihrer Einwohner. Weitere in Deutschland kulturell Tätige reisten wie Heuser und Genin nach Indonesien (damals Niederländisch-Indien), sowohl bekannte, wie die Autorin Vicki Baum und der Künstler Walter Spies, als auch weniger einflussreiche Personen, zum Beispiel der Maler Arnold Busch. | Emily Joyce Evans

Der Spaziergänger

Der Spaziergänger

Das Sujet des Spaziergängers oder Wanderers begleitete Barlach über viele Jahre. Einerseits ging er selbst täglich über Land, andererseits war ihm das Wandermotiv auch ein Symbol für den Lebensgang an sich. In seiner Skulptur schreitet der füllige Spaziergänger in kräftiger Bewegung mit auf dem Rücken verschränkten Händen gegen den Wind aus. Barlach hat in seinen Taschenbüchern und Skizzenheften ab 1909 unzählige Studien zu Gehenden und Stehenden festgehalten. Die Anlage der Figur folgt einer Kohlezeichnung von 1911 (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 1, 1060), in den Taschenheften von 1912 gibt es Einzelstudien zu Gesicht und Händen (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 2, Heft 1163, 6, 21, 22). Noch in seinen Aufzeichnungen von 1916 sinnierte der selbstkritische Künstler über diese Skulptur: „Nur zum Beispiel in dem ‚Schlafenden Paar‘ und dem ‚Spaziergeher‘ liegt so etwas von schlichter Ledigkeit, ledig von allzu stündlicher Zeitigkeit, Weltgefühl, Hängen im großen, bloßen Dasein ohne Zeiteinteilung sind drin. Ich ging bei verwölktem Vollmond auf den Parumer Wiesen und stocherte nach Pilzen“ (Ernst Barlach, Güstrower Tagebuch, Heft 4, 9.11.1916, zit. nach Ernst Barlach. Werke und Werkentwürfe aus fünf Jahrzehnten, Band 1: Vorworte, Einleitung. Plastik 1894–1937, Ausst.-Kat., Berlin, 1981, S. 54). Nach dem ersten Entwurf in Ton schuf Barlach noch 1912 eine Fassung in Eichenholz (WVZ Laur 2006, 190). Die ersten Bronzegüsse entstanden 1938 in der Berliner Gießerei Noack. In diesem Zusammenhang könnten auch die verschiedenen Stukkogüsse wie der vorliegende gefertigt worden sein. | Angelika Wesenberg

Berglandschaft

Berglandschaft

Ob die „Berglandschaft“ auf einen konkreten Ort bezogen ist, etwa den Drachensee in Tirol vor der Mieminger Bergkette, ist unklar, denn eine Urlaubsreise Jaeckels ist für das Jahr 1919 nicht belegt: Allerdings verzeichnete der Künstler beachtliche Erfolge wie die Aufnahme in die Akademie der Künste zu Berlin im Januar 1919 und verkaufte offenbar so gut, dass Ende des Jahres „fast gar keine Bilder mehr verfügbar“ waren (Willy Jaeckel an Anton Brüning, Dezember 1919, zit. nach Dagmar Klein, Der Expressionist Willy Jaeckel, 1888–1944. Gemälde – Biographie – Künstlerbriefe, Köln 1990, S. 591) und im Frühjahr 1920 ein Haus in einem Hochtal im Allgäu erworben werden konnte. Künstlerisch beschäftigte sich Jaeckel 1919 vor allem mit religiösen Themen und theosophischen Fragen. Rückblickend schrieb er 1921: „Zurückgekehrt aus grauenhaftem Kriegslärm, sah ich das Land, das der Bebauung harrte. Neue Regungen zu neuen Werten waren bereit, mitzuhelfen an dem geistigen Dome der Menschheit. Das Licht schien wieder, das Licht aus eigenem Licht geboren. Die Dämmerung zerreißend, sah ich es wieder, und es zu sehen, heißt auch erkennen“ (Willy Jaeckel, in: Das graphische Jahr, Berlin 1921, S. 64, zit. nach Klein, S. 36). Dieses zeittypische Bedürfnis nach Spiritualität scheint dafür zu sprechen, Jaeckels „Berglandschaft“ mit einem See im von Frühnebel durchzogenen Hochgebirge als Sinnbild für den Beginn einer neuen Zeit zu deuten. | Dieter Scholz

Blick vom Rupenhorn auf die Havel

Blick vom Rupenhorn auf die Havel

Das Gemälde ist eine radikale Bildfindung, stellt es doch eine vollständig ins Rutschen geratene Welt auf schiefer Ebene vor Augen, die sich noch dazu vor der eigenen Haustür auftut. Beckmann, der von 1925 bis 1933 Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main gewesen war, hatte sich nach seiner Entlassung durch die neuen Machthaber nach Bayern und Berlin geflüchtet. Er hoffte, in der Anonymität relativ sicher zu sein, verhinderte größeres Aufheben zu seinem 50. Geburtstag 1934 und wartete ab. Angesichts von Kontakten zu der NS-Elite nahestehenden Sammlern spekulierte der Maler vielleicht sogar darauf, nicht völlig ausgeschaltet zu werden. Einen offiziellen Platz konnte er jedoch nicht mehr einnehmen, und das wurde ihm immer deutlicher. In einem Brief vom 28. April 1936 erinnerte er seine Frau Mathilde daran, mit in den Niederlanden lebenden Verwandten „die Möglichkeiten einer Übersiedlung zu besprechen“ (Max Beckmann, Briefe, Band II, München/Zürich 1994, S. 261). Damit war die Emigration aus Nazideutschland konkret ins Auge gefasst und erfolgte im Juli 1937. Die Wirklichkeit des Bildes ist porös: Beckmann hat die farbige Untermalung des Gemäldes an vielen Stellen stehen gelassen und darauf fast aquarellhaft tupfend die (Stadt-)Flusslandschaft mit der Baumgruppe gestaltet, die so einen kontingent-flüchtigen Charakter annimmt. Alle Bäume neigen sich nach links, ebenso das gelbe Haus und die Balkonbrüstung. Nur der rosafarbene Weg und die ovale Form einer Sessellehne stabilisieren links ansatzweise die aus dem Gleichgewicht gebrachte Komposition. Der Künstlerexistenz wird der Boden buchstäblich unter den Füßen weggezogen. | Olaf Peters

L'oiseau dans l'espace

L'oiseau dans l'espace

Im Oktober 1926 sandte Brâncuşi zwanzig Skulpturen von Paris nach New York, wo er in der Brummer Gallery eine Einzelausstellung hatte. Für die Werke legte der US-amerikanische Zoll eine Gebühr von 4.000 Dollar fest, was etwa vierzig Prozent ihres Wertes entsprach. Die Grundlage war nicht die Gebührenordnung für Kunstwerke, sondern für industriell hergestellte Waren aus Metall und Stein. Unter den Skulpturen befand sich eine Bronzeversion des „Vogels im Raum“ von 1926, die dem Fotografen Edward Steichen gehörte. Er, andere Sammler und Brâncuşi selbst forderten, die Arbeiten als Kunstwerke zu verzollen. Es folgte ein Gerichtsprozess, der als „C. Brancusi vs. United States“ Rechts- wie Kunstgeschichte schrieb. Im Zentrum des Präzedenzfalls stand der „Vogel im Raum“ – für die einen eine Ikone der modernen Skulptur, für die anderen ein circa 135 Zentimeter langes schmales und perfekt poliertes Stück Metall. Brâncuşi hatte bereits seit 1910 an dem Vogelmotiv gearbeitet und sich dabei immer mehr von einer herkömmlichen figürlichen Darstellung entfernt. Anstatt die Gestalt eines Vogels mimetisch wiederzugeben, veranschaulichte der Bildhauer durch schlanke Formen und subtil geschwungene Konturen die Dynamik des Fluges. Der New Yorker Richter erkannte den „Vogel im Raum“ schließlich als Kunstwerk an, sodass Brâncuşi den Prozess gewann. In den 1970er-Jahren autorisierten dessen Erben vier neue Güsse des Werkes, von denen der erste in die Sammlung der Nationalgalerie (West) einging. | Nina Schallenberg