Die Staubgrube
Ident. Nr.: SSG 156
ObjID: obj:1065689
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Sammlung Scharf-Gerstenberg
E-Mail:
ssg@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1903
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Die StaubgrubeÜbersetzung: The Dust PitOriginaltitel: Le trou de poussière
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Tuschfeder und Aquarell auf Papier
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 26 x 38,5 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1065689
Objektbeschreibung
In beherrschter Strichführung und mit spitzer Feder, die an den Stichel eines Radierers erinnert, entwirft Kubin ein Bild menschlicher Wirklichkeit, das er ab 1900 in verschiedenen Varianten zeichnerisch behandelt und meist mit „Des Menschen Schicksal“ betitelt. Von der verstärkten Auseinandersetzung mit den Schriften Arthur Schopenhauers und Friedrich Nietzsches inspiriert, zeichnet Kubin das Gleichnis einer von pessimistischer Ausweglosigkeit bestimmten Weltsicht. Es ist Kubins „zwitterhafter Demiurg“, der hier sein Machwerk walten und die Schattenseiten des Existenziellen zutage treten lässt. Das Max Klinger nachempfundene Schädelwesen im Bildhintergrund entscheidet über das gezeigte Unheil. Der „unbewegte Beweger“ bläst mit seinem Atem Flüchtende in den Orbit der Staubgrube zurück und wacht mächtig über den fegenden Mann im Schürzenrock. Der kraftlos und zerschlagen blickende Alte ist gezwungen, die ameisenartige Horde von Menschen an die Grube und somit an das Schicksal einer endlosen Sinnentleerung zu fesseln. Er selbst ist nicht Herr, sondern Sklave eines Auftrages der Verwüstung. Das gezeigte Weltengesetz versagt dem Leben einen Sinn und lässt den Menschen zu einer getriebenen Kreatur werden. Ihm ist es sinnbildlich vorenthalten, aus jener Grube emporzusteigen. Kubins Darstellung einer beständigen Existenzbedrohung kann als kritische Vorwegnahme des Leidens zweier Weltkriege gelesen werden. Der Künstler selbst greift ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1934 in einem Brief an den Freund und Maler Reinhold (Peter) Koeppel das eigene Motiv auf, indem er schreibt: „Wir finden ja wohl keine Ordnung und Ruhe mehr […]. Es ist auch gleichgültig, die eigene Haut wird ja doch immer fadenscheiniger und der Mensch spürt schon den Besen, der ihn in die Grube kehren will […].“ | Luisa Fink
Letzte Aktualisierung: 15.12.2025
Kontakt
Einrichtung:
Sammlung Scharf-Gerstenberg
E-Mail:
ssg@smb.spk-berlin.de