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La vie des sous-sols

Ident. Nr.: SSG 64

ObjID: obj:1066090

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Jean Dubuffet (1901 - 1985),
Künstler*in
Datierung
1951
Weitere Titel
Sammlungstitel: La vie des sous-sols
Unterirdisches Leben
Übersetzung: Subterranean Life
Geografische Bezüge
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 81 x 100 cm

Objektbeschreibung

Die Landschaft taucht als Motiv im Œuvre von Dubuffet immer wieder auf. Von November 1951 bis April 1952 hielt sich der Künstler, während er an imaginären Landschaften arbeitete, in New York auf. Dort sah er Werke von Jackson Pollock, mit dem er sich über die neue Rolle des Materials im Schaffensprozess austauschen konnte. Was beide Künstler verbindet, ist ein reges Interesse an den eigendynamischen Anteilen von Stoffen: Sei es das Fließende der Farbe in den Tropfbildern (Drippings) von Pollock, seien es die Widerstände von bröckeligem Sand und Gips beim Auftragen auf die Leinwand bei Dubuffet. Beide Künstler pressen das Material nicht in eine Form, sondern suchen im Schaffensprozess den Dialog mit den Substanzen. Je nachdem, welche Eigenschaften sie diesen entlocken können, ergeben sich Formen selbsttätig. Der Künstler ist nur mehr Auslöser für diesen Automatismus. Daraus gerinnen Werke, von denen nicht selten auch eine haptische Wirkung ausgeht, wie dies bei den ‘Vorstellungslandschaften’ Dubuffets der Fall ist. Während „Terre fleurie“ (Blühende Erde, SSG 71) die oberirdische Vegetation darstellt, zeigt der Künstler in „La vie des sous-sols“ (Unterirdisches Leben) das unterirdische Leben als stofflich-körnige Textur, das sich je nach Imaginationskraft des Betrachtenden in ein Panorama der Fantasie verwandeln kann. | Melanie Franke

Letzte Aktualisierung: 17.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Disparate de bestia, auch: Proverbio adicional: Otras leyes por el pueblo

Disparate de bestia, auch: Proverbio adicional: Otras leyes por el pueblo

Entstehungszeit, Reihenfolge und Inhalte der einzelnen Blätter der „Disparates“ sind ungewiss. Sie scheinen verschlüsselt, wirken gespenstisch, absurd und pessimistischer als andere Folgen Francisco de Goyas. Sie sind überwiegend dunkel gehalten und wirken dadurch wie Bilder aus Träumen. In ihnen werden Anspielungen auf politische Ereignisse, traditionelle Sprichworte und den spanischen Karneval vermutet. Zu Lebzeiten des Künstlers sind elf Probedrucke dieser Blätter abgezogen worden, von denen neun im Titel das Wort „disparate“, also „Dummheit“, „Torheit“ bzw. „Unsinn“ enthalten. 1864 wurden 18 Blätter unter dem Titel „Proverbios“ (Sprichwörter) erstmals als Folge gedruckt. 1877 wurden vier weitere Blätter der Serie hinzugerechnet, darunter auch dieses. Hundert Jahre nach Erstveröffentlichung der Folge versuchte der britische Sammler Tomas Harris, zu jedem Blatt ein erklärendes Sprichwort zu finden. Harris’ Sprichwort zu dem Blatt „Disparate de bestia“ lautet: „Wer hängt der Katze die Schelle um?“ Dies ist einer deutschen Fabel entlehnt, in der sich Mäuse beraten, wie sie sich vor der bedrohlichen Katze mit ihren samtenen Pfoten schützen können. Eine Maus wird auserwählt, der Katze eine Schelle anzulegen, damit sie rechtzeitig gehört werde. Mit dieser Assoziation spielt Harris auf die dargestellte Szenerie an. Vier Orientalen im Dunkel unten links stellen sich dem offensichtlich gutmütigen Elefanten, zeigen ihm ein Buch, wohl die im Titel genannten „Gesetze für das Volk“, sowie ein für das Tier offensichtlich zu kleines Schellenband. Die Thematik ist vielschichtig und bleibt unklar. Die Orientalen locken einerseits den Elefanten, weichen aber andererseits zurück bei dem Versuch, ihn aus dem den Hintergrund ausfüllenden Lichtkegel herauszulocken. Wird das Tier ihrem Locken auf den Leim gehen? Verkörpert der Elefant das bei Goya immer wieder dargestellte Thema des wiederholt betrogenen Volkes, des Menschen als Spielball seiner Ängste und Widersprüchlichkeiten? | Melanie Wilken

Figure ambiguë

Figure ambiguë

„Dada war ein Ausdruck einer Revolte von Lebensfreude und Wut, war das Resultat der Absurdität der großen Schweinerei dieses blödsinnigen Krieges. Wir jungen Leute kamen wie betäubt aus dem Krieg zurück und unsere Empörung musste sich irgendwie Luft machen.“ (Max Ernst) Aus dieser erschütternden Erfahrung heraus begaben sich die Dadaisten auf die Suche nach einem adäquaten künstlerischen Ausdrucksmittel, welches der von Grund auf veränderten gesamtgesellschaftlichen Situation Rechnung trug. Max Ernst erreichte dies mittels Collagen aus Druckereiabfällen und wissenschaftlichen Büchern, die er wiederholt nach künstlerischen Aufhängern und Impulsgebern durchforstete. In seinem Vorgehen, das bezeichnend für sein weiteres Œuvre ist, löste er seine Fundstücke aus ihrem althergebrachten Zusammenhang und sezierte sie in kleinere Bedeutungs- und Funktionseinheiten. Durch die sich daran anschließende neue und zumeist befremdliche Zusammenstellung der disparaten Objekte wurden völlig neue Konnotationen geschaffen. Insofern kehrte sich Max Ernst mit seinen Collagen von den Papiers collés, wie sie die Kubisten zuvor entwickelt hatten, ab. Vor allem in den Jahren 1919 und 1920 entstanden zahllose Blätter, die zunächst wie biologische Baupläne, Querschnitte durch Zellen oder physikalische Schaltpläne anmuten. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich aber diese als in die Leere laufende Konstruktionen. In dieser Fehlkonstruktion spiegelt sich das Gesellschaftsbild der Dadaisten insofern wieder, als es für sie nach dem Krieg keine funktionierende Gesellschaft, zusammengehalten durch mehr oder weniger allgemeingültige Werte und Normen, mehr gab. Es sind Absagen an ein zunehmend technokratisches Zeitalter. „Rechtzeitig erkannte Angriffspläne“ (SSG 79) spielt mit militärischem Vokabular, gleichzeitig enthüllt die Schalttafel in ihrer Dysfunktion eine nicht existente Bedrohung. Typisch auch für DADA die Neologismen wie „Assimilanzfäden „, die den wissenschaftlichen Anspruch des Dargestellten zunächst verstärken, ja sogar zu legitimieren scheinen, sich aber ebenso wie die Konstruktion als nutzlose (Wort-)Hülse herausstellen. | Katharina Wippermann

Merzzeichnung 229

Merzzeichnung 229

"Die Bilder Merzmalerei sind abstrakte Kunstwerke. Das Wort Merz bedeutet wesentlich die Zusammenfassung aller erdenklichen Materialien für künstlerische Zwecke und technisch die prinzipiell gleiche Wertung der einzelnen Materialien.“ So charakterisierte Schwitters seine durchnummerierten Merzbilder (dreidimensionale Assemblagen) und Merzzeichnungen (flächige Collagen), die er 1919 aus dem in einer Collage verwendeten Wort Kommerz einer Anzeige der Kommerz- und Privatbank abgeleitet hatte. Schwitters konstruierte seine Merzzeichnungen aus den Relikten und Fundstücken der modernen Großstadt, verwertete Anzeigen aus Tageszeitungen, Rechnungen, Kalenderblätter, Wertmarken, Fahrscheine und Stoffe, die er als Fragmente der am Krieg zerbrochenen Welt, als Symbole des Zusammenbruchs, der Verzweiflung und der Ausweglosigkeit jener Zeit zum Kunstwerk montierte. Merz war für Schwitters, wie er in seiner Autobiografie darlegte, ein „Gebet über den siegreichen Ausgang des Krieges, denn noch einmal hatte der Frieden wieder gesiegt. Kaputt war sowieso alles, und es galt aus den Scherben Neues zu bauen. Das aber ist Merz.“ Nicht zufällig bildet sich die Assoziation mit dem Monatsnamen März, dem Synonym für frühlingshaften Aufbruch, und mit der dem Wort verwandten Tätigkeit des Ausmerzens, des Verwerfens von Zurückliegendem. Das Sammeln und Verwerten von Abfall in einem Kunstwerk ähnelt Marcel Duchamps Strategie des Aufwertens von alltäglichen Gebrauchsgegenständen, die er durch seine Signatur auf ironische und kritische Weise in den Rang von Kunstwerken erhob. Schwitters hingegen ‘entformt’ und ‘entformelt’ durch seine Collage-Technik die auf den Papierstücken gedruckten Informationen, deren Wieder-Ergänzung und Vervollständigung zur Aufgabe des Betrachters wird, der sich auf diese Weise in die Bildrealität vertieft. Die Fragmente verlieren mit ihrem gegenständlichen Charakter zugleich ihren Gebrauchswert, gewinnen dafür aber eine neue, künstlerische Qualität. | Hanna Strzoda

Le stryge

Le stryge

Seit seiner Einberufung zur Mitarbeit an der bis in die 1850er Jahre andauernden Restaurierung von Nôtre Dame durch den Architekten Viollet- le-Duc im Jahre 1844 widmete sich Méryon verstärkt der Darstellung des mittelalterlichen Paris. Die Quartiere der Île de la Cité und an den Ufern der Seine boten auch den Schauplatz für Victor Hugos 1831 publizierten Roman „Nôtre Dame de Paris“ (Der Glöckner von Notre-Dame), der Méryons Darstellung von „Le stryge“ (Der Vampir) inspirierte. Für die konkrete bildliche Umsetzung seines steinernen Fabelwesens, einer der nach Entwürfen Viollet-le-Ducs gehauenen grotesken Figuren, die bei den Restaurierungsarbeiten als Ersatz für die stark verwitterten mittelalterlichen Originale an der Balustrade des Nordturms von Nôtre Dame aufgestellt wurden, zog Méryon zudem eine Fotografie von Charles Nègre hinzu, die dieser 1853 aus dem gleichen Blickwinkel aufgenommen hatte. Méryon radierte jedoch keine Kopie dieser Aufnahme, sondern in frei gehandhabter, künstlich gesteigerter Perspektive ein scheinbares Abbild der Wirklichkeit. Die künstlich wirkende Beleuchtung taucht die Szenerie in ein kaltes, unwirkliches Licht, das tiefe Schatten in die Stadtlandschaft zeichnet. Fliegende Raben, mit dem Mythos der dem Tod nahestehenden Galgenvögel behaftet, verstärken die beklemmende Aura der Szenerie. Die Rolle der Chimäre mit ihrer diabolisch-unheimlichen Ausstrahlung – die Stadt bedrohender Dämon oder unheilabwehrendes Schutzwesen – bleibt zunächst diffus. Erst durch die Beifügung eines Textes auf späteren Abzügen definierte Méryon den Charakter von „Le stryge“: „Ein unersättlicher Vampir, die ewige Luxuria, über die große Stadt gebeugt, lechzt sie nach Nahrung.“ | Hanna Strzoda

Le petit pont

Le petit pont

Charles Méryons dokumentierte alte Pariser Straßen und Winkel, die von der abrisswütigen ‘Haussmannisation’ im 19. Jahrhundert betroffen waren. Alte Quartiere mit ihren kleinen Häusern und Gässchen mussten zwischen 1853 und 1869 den neuen Bebauungsplänen für die französische Hauptstadt, die von Georges-Eugène Baron Haussmann für Napoleon III. entworfen worden waren, weichen. Die Bauvorhaben mehrstöckiger Bauten europäischen Stils und großer Boulevards zerstörten viele der kleinen mittelalterlichen Straßen und Viertel von Paris. Die zwischen 1850 und 1854 entstandene Serie „Eaux-fortes sur Paris“ (Paris-Radierungen) umfasst 22 Blätter und zeigt vorwiegend das mittelalterliche Paris. „Le petit pont“ (Die kleine Brücke) ist als erstes Blatt dieser Reihe entstanden. Radierungen wie diese sind jedoch keine objektiven, rein dokumentarischen Ansichten des Künstlers der Stadt, sondern es sind persönliche Eindrücke, die als Metapher einer versinkenden Welt verstanden werden können. Die dargestellte alte Brücke und das „Hôtel Dieu“ (Armenkrankenhaus) wurden kurz nach Fertigstellung der Grafik abgerissen. Fotografische Aufnahmen der Commission pour la Conservation des Monuments Historiques zeigen allerdings, dass Méryon in der Darstellung „Le petit pont“ einen Straßeneinschnitt zwischen den Gebäuden unterschlagen hat und dennoch die Fassaden der Häuser nicht angeglichen sind, sodass die Häuserfront wie eine Montage wirkt. Durch Veränderungen der tatsächlichen topografischen Situation steigerte Méryon die Raumwirkung der städtischen Landschaft. | Melanie Wilken