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Poupée et masque

Ident. Nr.: SSG 192

ObjID: obj:1386446

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Michel Nedjar (12.10.1947),
Künstler*in
Datierung
um 1982/1983
Weitere Titel
Sammlungstitel: Poupée et masque
Puppe und Maske
Übersetzung: Doll and Mask
Geografische Bezüge
Material / Technik
Stoff, Leim, Gips und Farbe
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 87 x 25 x 28 cm

Objektbeschreibung

Die ersten Puppen von Michel Nedjar entstanden 1979, nachdem er von seinen großen Reisen durch Europa und Marokko und später durch die Türkei, Afghanistan, den Iran, Indien und Mexiko zurückgekehrt war. Das Motiv der Puppe fasziniert ihn als Fetisch, von dem eine magische Kraft ausgehen kann, wie als Träger wandelbarer Stoffe. Seine Puppen bestehen aus Fundstücken von Gewebe, Verpackungen und Schnüren. Einwirkungen von Verschmutzung und Verfall sind vom Künstler gewollt und werden kontrolliert eingesetzt. Die Farbskala umfasst die natürlichen Farben der Stoffe sowie satte Erd- und Bluttöne. Die Stoffe werden buchstäblich in Blut getaucht und verdeutlichen so die existentielle Haltung Nedjars, dessen Familie nahezu vollständig in Konzentrationslagern umkam. Die meisten Puppen oder Masken haben leere Augenhöhlen. Sie geben das Nichts dahinter preis, welches sich einen Körper sucht, dessen gespenstische Präsenz ahnbarer und doch verschlossener Zauberkräfte bestehen bleibt. Jean Dubuffet entdeckte in den Arbeiten von Nedjar jene ursprüngliche Dimension, die der Art brut eigen ist, und erwarb dessen Arbeiten für seine „Collection de l’Art Brut“. | Melanie Franke

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Weib u. Tier

Weib u. Tier

Eine weibliche Aktfigur, die wie eine Skulptur aus einem Steinblock herauswächst, lockt ein gazellenartiges Tier mit einer Blume. Das Tier erhebt sich auf den Hinterläufen und macht so ‘Männchen’. Laut Klee symbolisiert es „das Tier im Menschen (im Manne)“. Während in der ersten, im Juli 1903 entstandenen Fassung der Radierung ein geifernder Köter das Geschlecht einer hilflos gestikulierenden Frau beschnüffelt, ist das Verhältnis in der zweiten Fassung, die vom November 1904 datiert, ausgeglichener. Das Tier ist schlanker und mit einem Bockshorn ausgestattet, die Frau steht zwar abgewandt, doch wendet sie Kopf und Arm dem Tier zu. „In Beziehung auf die Psychologie der Handlung steht die Arbeit jetzt insofern höher“, erläuterte Klee seiner Verlobten Lily, „als das Weib sich nicht mehr passiv verhält, das heißt erschrickt, sondern seinen Trieb, zu coquettieren, auch im Moment der brutalen Entscheidung nicht lassen kann.“ Für den satirischen Kommentar auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander verwendete Klee verschiedene Motive aus der Kunstgeschichte. Die Frauenfigur geht auf eine antike Statue des Praxiteles zurück, wobei Klee das Venus-pudica- Motiv des Verhüllens der Scham zu einem „Venus- Koketterie-Motiv“ (Gregor Wedekind) des Enthüllens macht. Die sexuell aufgeladene Beziehung zwischen Frau und Tier ist der Grafik des 19. Jahrhunderts entlehnt und begegnet dort unter anderem bei Max Klinger und Félicien Rops. Der zeichnerische Stil, den Klee 1919 rückblickend als „gotisch-klassisch“ bezeichnete, verweist auf die Grafik des 15. Jahrhunderts, vermittelt durch den Einfluss Ferdinand Hodlers, was insbesondere die monumentale Isolierung der Figuren vor dem schwarzen Aquatinta-Hintergrund betrifft. Klee nutzt die groteske bis hässliche Abweichung von der klassischen Form, um die Fragwürdigkeit gesellschaftlicher Ideal- und Rollenbilder wie etwa der reinen und keuschen Frau oder des Edelmannes zu demonstrieren. Die zweite Fassung der Darstellung nahm Klee als Nummer 1 in seinen elf Radierungen umfassenden Zyklus „Inventionen“ auf, mit dem er sich als Grafiker etablieren wollte. | Dieter Scholz

Modemadonna

Modemadonna

Abgegriffen und zerknittert, erscheint die „Mode-Madonna“ auf den ersten Blick wie ein oft betrachtetes und berührtes Ikonenbildchen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich jedoch als eine der „Merz“zeichnungen Kurt Schwitters. Eine schwarz-weiße gedruckte Mariendarstellung hat der Künstler auf ein farbiges Etikett geklebt. Nachträglich hinzufügte Rillen bilden – einem Heiligenschein gleich – einen Halbkreis um den Kopf der Muttergottes. Unter ihr lassen sich die Worte „Manoli“ und „Diva“ entziffern, die sich unten im Rahmen wiederholen. Kurt Schwitters war selbst in der Werbung tätig und schätzte die wechselseitige Einflussnahme von Kunst und Reklame. Daher verwendete er kaum zufällig ein Zigarettenetikett der Marke „Diva“ der Berliner Firma Manoli, welche in ihrer Reklame das Bild der mondänen Frau prägte. Schwitters spielt hier auf das Rollenverständnis der Frau der 1920er Jahre zwischen Modernität und Mütterlichkeit an. Die Frauen konnten nun der Passivität entfliehen, seit 1919 durften sie wählen und sich an der Universität habilitieren. Erstmals rauchten Frauen. Besonders in Berlin zeigte sich die neue Freiheit auch in der Mode: Bubikopf, Hosen und vor allem die Zigarettenspitze waren Kennzeichen der weiblichen Emanzipation, die gerade erst begonnen hatte. Die Geburtenrate hingegen war stark rückläufig, daher wählte Schwitters für seine Ikone eine Maria ohne Jesuskind. Das Blatt stammt aus dem Besitz von Hannah Höch, der einzigen Frau unter den Berliner Dadaisten, mit der Kurt Schwitters eng befreundet war und deren poetisch-skurrile Collagen seiner eigenen Arbeit sehr nahestehen. | Silke Krohn

Disparate Puntual

Disparate Puntual

Die zwischen 1815 und 1824 entstandenen Radierungen der „Disparates“ ( Torheiten) bilden den letzten Zyklus Francisco de Goyas. 1819 hatte Goya sich aufgrund der anhaltenden politischen Unruhen zwischen Monarchisten und Liberalen in sein Landhaus zurückgezogen und seine berühmten „Pinturas negras“ (Schwarze Bilder) auf die Wände seines Hauses gemalt. In ihnen zeigt er seine düstere Fantasie, die bedrückenden Zeitumstände und die verdorbenen Menschen ohne Moral. Zeitgleich dazu entstanden die Darstellungen der menschlichen Torheiten, in denen sich diese pessimistische Weltansicht und Hoffnungslosigkeit widerspiegeln. Zu seinen Lebzeiten wurden lediglich Probedrucke dieser Blätter angefertigt, erst 1864 wurden die Radierungen unter dem Titel „Los proverbios“ (Die Redensarten) erstmals veröffentlicht. Da die Darstellungen weit über Kommentar oder Sprichwort hinausgehen, ist die Folge heute unter dem Titel „Disparates“ bekannt, einem Titel, den Goya auch auf einigen seiner Probedrucke selbst vermerkt hatte. Sie gehören zu den rätselhaftesten, am schwierigsten zu deutenden Werken des Künstlers. Goya scheint mit dieser Folge der surrealistischen Kunst des 20. Jahrhunderts näher zu sein als seiner eigenen Epoche. In dem Blatt „Präzise Torheit“ bildet der Zirkus den Schauplatz einer eigenartigen Szene: Die hell hervorgehobene Artistin balanciert auf dem Rücken eines Pferdes, das seinerseits auf einem Seil steht. Dabei bleibt unklar, ob die Hufen des Pferdes bereits den Boden berühren. Das Publlikum im Dunkeln verfolgt die Darbietung mit geschlossenen Augen, möglicherweise schläft es sogar. Handelt es sich um eine Satire über die Leichtgläubigkeit des Volkes? Oder illustriert der Balanceakt das Gleichgewicht zwischen Leidenschaften und weiblicher Tugend? | Melanie Wilken

Pessimisme martial

Pessimisme martial

Nach dem Studium an der Akademie der Schönen Künste in Bukarest schloss sich Victor Brauner 1930 in Paris der surrealistischen Bewegung um André Breton an. Er war beeinflusst von seinen Künstlerfreunden, dem Maler Yves Tanguy und dem Bildhauer Constantin Brâncusi, aber auch von Marcel Duchamp und Salvador Dalí. In seinem Œuvre verband er die Vorstellungswelt seiner rumänischen Heimat mit Formen der westlichen Avantgarde zu einer eigenen Bildsprache. Auch Brauner erforschte die automatische Malerei, indem er durch Geschwindigkeit oder hypnotische Zustände das Unbewusste zu aktivieren versuchte und so zu den unbekannten Seiten des menschlichen Wesens vordringen wollte. Seine Bilder sind bevölkert von bizarren Mischwesen, Tieren, Pflanzen, abstrakten Zeichen und Maschinen, in denen die menschliche Figur dennoch stets Protagonist bleibt. Die Linien der einzelnen Motive in „Pessimisme martial“ scheinen dem Künstler gemäß der automatischen Zeichentechnik der Surrealisten in einem Zug aus der Hand geflossen zu sein. Auch die Überproportionierung einzelner Körperteile gehört zu den Charakteristika der surrealistischen Bildsprache; so bildet auf diesem Blatt Brauners ein übergroßer menschlicher Kopf auf einer Art Geäst das Hauptmotiv des Bildes. Ein Mischwesen aus Vogel und Drache greift diesen Kopf Feuer speiend an. Im Hintergrund, dessen räumliche Dimension lediglich durch eine Horizontlinie angedeutet ist, wendet sich eine menschliche Figur mit überlangem Arm von der Szene ab. Schmerz, physische Verstümmelung und Krieg sind Aspekte, die Brauner in seinen Zeichnungen und Gemälden assoziativ verarbeitet und die den Betrachter konfrontieren. | Melanie Wilken