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Herwarth Walden

Ident. Nr.: B II 45

ObjID: obj:958808

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
William Wauer (1866 - 1962),
Künstler*in
Datierung
1917 (Guss 1964)
Provenienz
Guss nach dem Original-Gips von Edmund Kesting, Birkenwerder bei Berlin,
1964
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 62 x 40,5 x 34 cm (inkl. Sockel)
Erwerbung
1964 Ankauf von Edmund Kesting, Birkenwerder bei Berlin

Objektbeschreibung

Nach seinem Studium der Malerei arbeitete Wauer als Werbegrafiker, Zeitungsverleger und Theaterkritiker. 1905 ließ er sich in Berlin zum Theaterregisseur ausbilden, bevor er zum Kino wechselte. Noch in seine Zeit am Theater fiel die Bekanntschaft mit dem ähnlich vielseitig talentierten Herwarth Walden (1878–1941): Zusammen schufen sie die Pantomime „Die vier Toten der Fiametta“, die 1911 in Wauers Kleinem Theater Unter den Linden uraufgeführt wurde. 1910 hatte der zwölf Jahre jüngere Musikwissenschaftler und Pianist Walden eine Zeitschrift mit dem rasanten Titel „Der Sturm“ gegründet, die vor allem die Literatur des aufkommenden Expressionismus veröffentlichte – rasch stieg er zu einem ihrer unermüdlichsten Verfechter auf. Zudem propagierte er ab 1912 in seiner Berliner Sturm-Galerie die Kunst von Expressionismus, Kubismus und Futurismus. Seine Ausstellung italienischer Futuristen im April 1912 führte Wauer zurück zur bildenden Kunst und zur Bildhauerei. In stark rhythmisierten, kantigen Formen schuf er kleine, einprägsame Figuren und Monumentalbüsten, die an die dynamische Expressivität eines Umberto Boccioni erinnern und von Walden alsbald als „absolute Plastik“ gepriesen wurden, da sie „das Gegenständliche unmittelbar plastisch, also ohne Nachahmung der Natur“ gestalteten (zit. nach William Wauer und der Berliner Kubismus. Die plastischen Künste um 1920, Ausst.-Kat., Berlin/Neu Ulm, 2011, S. 14). Wauers Hauptwerk ist das 1917 entstandene Porträt seines Freundes. Mit verknappten Formen und im rhythmischen Spiel von konkaven und konvexen Flächen, mit klaren Kanten und einfachen Umrissen erfasst die Büste Waldens charakteristische Züge und vermittelt zugleich das allgemeine Gefühl einer vom „élan vital“ durchpulsten Zeit, die ihren Ausdruck nicht nur in der Kunst, sondern auch in Alltagsgegenständen fand. Die Nationalgalerie besitzt zwei posthume Güsse des Porträts, angekauft 1963 für die Nationalgalerie (West; NG 24/63), 1964 für die Nationalgalerie (Ost; B II 45). | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson