Logo

Porträt Bessie Bruce

Ident. Nr.: NG 22/71

ObjID: obj:959284

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oskar Kokoschka (1886 - 1980),
Künstler*in
Datierung
1910
Weitere Titel
Sammlungstitel: Porträt Bessie Bruce
Übersetzung: Portrait of Bessie Bruce
Provenienz
Adolf Loos, Wien,
- Juni 1926
Kauf: Nationalgalerie, Berlin,
Juni 1926 - um 1946 (verschollen)
kriegsbedingte Auslagerung,
1943 - um 1946
Privatbesitz, New York,
1971
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 72 x 91 cm
Erwerbung
1926 Ankauf von der Galerie Paul Cassirer, Berlin. Nach kriegsbedingter Auslagerung um 1946 verschollen, 1971 Rückkauf aus Privatbesitz, New York

Objektbeschreibung

Im Winter 1909/1910 fuhr der Architekt Adolf Loos mit Kokoschka an den Genfer See, wo er mehrere Porträtaufträge für den Künstler vereinbart hatte. Loos hatte die Tänzerin Elizabeth (Bessie) Bruce (1886–1921) 1905 im Wiener Kabarett Tabarin kennengelernt, in dem sie mit den Barrison Sisters aus New York den Cakewalk-Tanz aufführte. Sie war 1909 an Lungentuberkulose erkrankt, und Loos, der unweit des Genfer Sees für einen Arzt die Villa Karma gebaut hatte, schickte sie zur Erholung zunächst nach Les Avants bei Montreux, dann ins Sanatorium Mont Blanc in Leysin. Die tiefe Verschattung zur rechten Seite hin sowie die Aufhellung und die wie Narben erscheinenden Nähte der Brustpartie des Kleides können als Hinweise auf die gefährdete Gesundheit der Lebensgefährtin von Adolf Loos gedeutet werden. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz