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Meine Mutter

Ident. Nr.: A III 366

ObjID: obj:959307

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Artur Wasner (1887 - 1939),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1930
Systematik/Art
Provenienz
Freundschaftsgeschenk der Volksrepublik Polen an die Regierung der DDR,
ab 1953
Material / Technik
Öl auf Sperrholz
Abmessungen
Höhe x Breite: 60,5 x 49,5 cm
Erwerbung
1954 Überweisung des Ministeriums für Kultur als Teil des Freundschaftsgeschenks der Volksrepublik Polen an die DDR

Objektbeschreibung

Der in Schlesien geborene Wasner erlangte als Maler von Landschaften seiner Heimat, darunter auch das Riesengebirge, überregionale Bekanntheit. Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule in Breslau von 1905 bis 1908 ermöglichten ihm Stipendien verschiedene Reisen durch Europa. Besonders die Beschäftigung mit niederländischen Künstlern wie Frans Hals (1582/1583–1666) beeinflusste seine weitere Entwicklung zu einem gefragten Porträtmaler. 1915 gründete er seine eigene Malschule in Breslau. Mit dem Gemälde „Meine Mutter“ hat Wasner ein sehr intimes Bildnis geschaffen. Vor dunklem Hintergrund erscheint das mütterliche Antlitz in altmeisterlicher Manier, beleuchtet durch den warmen Lichtschein einer Kerze oder eines Kaminfeuers. Die Gesichtszüge sind mit allen Schattierungen und Falten detailliert ausformuliert, die Bekleidung ist bis zum Brustansatz mit groben Pinselstrichen nur angedeutet. Der Blick der Frau wirkt versunken, fast abwesend. Kopfhaltung und Bildausschnitt der Dargestellten erinnern an herkömmliche Porträtbüsten berühmter Persönlichkeiten zur Ehrung oder zum Gedenken an die Verstorbenen. Mithilfe dieses virtuosen Rückgriffs auf tradierte Bildmuster ist Wasner eine ganz persönliche Erinnerung an seine Mutter gelungen. Auf der Rückseite der Leinwand steht „unverkäuflich“. Dass das Werk dennoch 1954 in die Nationalgalerie (Ost) gelangte, ist den chaotischen Zeitumständen nach dem Zweiten Weltkrieg geschuldet: den ungeklärten Verhältnissen nach Enteignungen, Grenzverschiebungen und Fluchten, ungewissen behördlichen Zuständigkeiten und schließlich der freundschaftlichen Schenkung durch die Volksrepublik Polen. | Janet Röder

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Straße

Straße

Im Frühjahr 1930 schloss Heldt sein Studium ab. Anschließend besuchte er Paris und begegnete dort auch dem Maler Maurice Utrillo. Er liebte dessen Bilder stiller, melancholischer Straßen auf dem Montmartre oder in den Vororten von Paris, wie man auch in einem seiner poetischen Texte lesen kann. Den Beginn des eigenen Werkes in der Berliner Tradition des 19. Jahrhunderts aber bedauerte er nicht. An den Studienfreund Hans Kuhn schrieb er noch 1951: „Wir gingen vom Braun aus, und das gab ein gutes Fundament zur Entwicklung des Kolorits. Ohne Kolorit gibt es keine Befreiung der Farbe. Die große Erschütterung brachten van Gogh, Utrillo, Rousseau; das machte den Weg frei zur Ausbildung einer Sensibilität, die demjenigen, der eine solche Entwicklung nicht erlebt hat, jenseits des Malerischen zu liegen scheint“ (zit. nach WVZ Schmied/Seel 1976, S. 21). Nach seiner Paris-Reise findet sich bei Heldt für kurze Zeit, wie bei dieser Straßensicht, viel Rosa nach dem Vorbild Utrillos. Jenem entspricht aber die wie mit dem Lineal gebaute Komposition keineswegs. Das Gemälde „Straße“ besitzt nichts Anekdotisches: Personen, Laternen, Beschriftungen fehlen. Wir sehen eine Mauer, einen Baum und drei kubische Häuser mit leeren Giebelflächen, Fenster und Türen als schwarze Rechtecke. Das Kolorit ist auf wenige helle Farben reduziert, die einzelnen Flächen aber sind sorgfältig in mehreren Farbschichten aufgebaut. So entstanden malerische Hauswände, wie Heldt sie an den Bildern Utrillos bewunderte. | Angelika Wesenberg

Selbstporträt

Selbstporträt

Zeitlebens porträtierte sich Händler selbst, wobei er sich immer in seiner Profession darstellte – wenn nicht direkt in seinem Atelier, dann stets mit Attributen, die ihn als Maler ausweisen. In „Selbstporträt“ (1978) verortet sich der Künstler in seinem karg und eng wirkenden Arbeitsraum als Bruststück in Dreiviertelansicht im Mittelpunkt des Bildes – umgeben von Objekten, die auf seine Tätigkeit verweisen: Links im Vordergrund erblickt man die im Anschnitt dargestellte Rückseite einer auf den Keilrahmen gespannten Leinwand, aus der rechten unteren Bildecke hereinkommend zwei aufeinanderliegende Farbkästen mit Tuben auf einem Tisch. An der Wand im Hintergrund hängen drei Bilder, die auf Händlers bevorzugte Genres hindeuten: Links im Hochformat ein weiblicher Akt, rechts ein Stillleben im Querformat, darunter ein Kopfstück. Der Maler selbst scheint der Leinwand vor ihm zugewandt, doch sein Blick geht an ihr vorbei zu den Betrachtenden. Charakteristisch ist nicht nur die vorwiegend auf Grau-, Braun- und Ockertönen basierende Farbpalette, sondern auch der Blick aus dem Bild: Die fortwährende Selbstbefragung, die Händler in seinen Selbstbildnissen anstellt, findet stets im Angesicht seines Gegenübers – seiner Zeit und Zeitgenoss*innen – statt. Dabei ist ein unscheinbares Detail, das auch in Gruppenbildern wiederkehrt, die brennende Lampe, die in diesem Gemälde als Symbol für das Sehen im Sinne von (Selbst-)Erkenntnis steht. | Michaela Mai

Schreitende Frau mit Krug

Schreitende Frau mit Krug

Mit ihrer Hinwendung zu einem naturalistischeren Stil entwickelte Steger auch einen neuen Frauentyp. Dieser ist weniger bewegt und expressiv als ihre früheren Figuren und von einer herben, zeitlosen Schönheit. Ihre kleinformatige „Schreitende Frau mit Krug“ wird von einem durchsichtig wirkenden Tuch in ihrer Nacktheit eher umspielt als verdeckt. Den Kopf hält sie geneigt, im verklärt nach oben gewandten Antlitz sind die Augen geschlossen. Trotz der angedeuteten Schrittbewegung wirkt die Figur statuarisch. Der Blickpunkt liegt auf dem markant modellierten Gesicht und dem Krug, den die Frau auf der rechten Schulter trägt. Krugträgerinnen waren seit der Antike und später vor allem im Klassizismus ein gängiges Bildmotiv und Symbol der Reinheit. Als Bildhauerin hatte sich Steger schon früh und als eine der wenigen Frauen in der Kunstwelt der Weimarer Republik etabliert. An ihr prallte das Vorurteil ab, dass Frauen zu schwach seien, Materialien wie Holz und Stein zu bearbeiten. Sie wurde als Talent gefeiert, welches sich einer geschlechtsspezifischen Zuordnung entziehe und „nur noch der künstlerisch empfindende, erlebende und arbeitende Mensch“ sei (Zwei Bildnerinnen über ihr Schaffen, in: Koralle, 4. Jg. [1936], H. 5, S. 156). Mit burschikosem Kurzhaarschnitt und stets in Männerkleidung auftretend entzog sich Steger auch optisch den herrschenden Normen von Weiblichkeit. Sie trat für die Rechte von Frauen ein, kämpfte 1919 für deren Zulassung an den Kunstakademien und reaktivierte 1927 den Verein der Berliner Künstlerinnen, an dessen Unterrichtsanstalt sie von 1929 bis 1942 die Klasse für Bildhauerei leitete. | Maike Steinkamp

Kleine Liegende (Ruhende)

Kleine Liegende (Ruhende)

Nur knapp findet die junge Frau Platz auf dem Sockel, ein Ellenbogen, das rechte Knie sowie die Zehen des linken Fußes weisen sogar ein Stück darüber hinaus. Das bekannte Motiv der ruhenden Nymphe, die sich den Betrachter:innen in ihrer ungezwungenen Nacktheit verführerisch darbietet, diente dem Bildhauer Lammert hier sicher als Vorbild. Frauenakte stellten insbesondere um 1930 sein bevorzugtes Sujet in Zeichnung und Plastik dar. Mehrere Varianten existieren von diesem Figurentypus aus jenen Jahren, in denen er mit kräftigen, runden und stark vereinfachten Formen experimentierte, die er massiv und grob ausgeführt hat. Seine Lehre hatte der im westfälischen Hagen zur Welt gekommene Künstler als Stuck-, Holz- und Steinbildhauer begonnen. In seiner Geburtsstadt arbeitete er anschließend für kurze Zeit im Atelier des Bildhauers und Grafikers Moissey Kogan. Mithilfe seines Mäzens, des Industriellensohnes Karl Ernst Osthaus, der auch Kogan unterstützte, konnte der mittellose Lammert ab 1911 durch ein Stipendium an der Kunstgewerbeschule in Hamburg bei dem Jugendstilkünstler Richard Luksch studieren. Während jener Zeit verbrachte er ein Jahr bei Kogan in Paris, wo er auch die Künstler Otto Freundlich und Alexander Archipenko kennenlernte. Vor allem die abstrahierte Formensprache Archipenkos klingt gelegentlich in Lammerts Skulpturen an. 1933 musste der Künstler aus Deutschland fliehen. Viele seiner zurückgelassenen Werke wurden während der Aktion „Entartete Kunst“ zerstört, doch manche von ihnen sind heute durch Aufnahmen des Fotografen Albert Renger-Patzsch bekannt, mit dem Lammert befreundet war. | Anja Pawel