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Anrufung

Ident. Nr.: NG 16/67

ObjID: obj:963116

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Marino Marini (1901 - 1980),
Künstler*in
Datierung
1955
Weitere Titel
Sammlungstitel: Anrufung
Originaltitel: Invocazione
Übersetzung: Invocation
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 200 x 183 cm
Erwerbung
1967 Ankauf von der Galleria d'Arte Moderna Romeo Toninelli, Milano

Objektbeschreibung

Die „Anrufung“ ist eine malerische Ausformulierung des Reiter-Themas, das – anders als Marinis stürzender „Kleiner Reiter“ (B 229) – dem dargestellten Menschen eine Ruhe und Kontrolle zuweist, die er in der Bronzefassung nicht besitzt. Mit zu den Seiten ausgetreckten Armen richtet die nackte Figur, deren erigierter Penis sichtbar ist, ihr Angesicht nach oben zur „Anrufung“. Dies birgt das Moment des Ekstatischen, durchaus Archaisch-Triebhaften, während das tradierte Motiv des heroischen Reiters zugunsten der Suche nach dem Neuen, Erneuernden auch hier fallen gelassen wird. Der Umgang mit Licht und die durch den engen Bildausschnitt und den nahen und niedrigen Betrachtungsstandpunkt betonte Körperlichkeit rücken das Gemälde in unmittelbare Nähe zur Skulptur. So wie etwas Malerisches in der Patina der Bronze liegt, ist das Skulpturale in der Malerei zu finden: Der gestische Farbauftrag, die sichtbar belassenen Teile der Leinwand und die nur skizzenhaft oder fragmentarisch abgebildeten Bereiche, wie die Beine des Pferdes, zeugen von einer Fortsetzung des Experiments rund um eine formale wie inhaltliche Neudeutung des Reiterstandbildes. | Sintje Guericke

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson