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Straße in Paris

Ident. Nr.: A III 421

ObjID: obj:963385

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Robert Liebknecht (1903 - 1994),
Künstler*in
Datierung
1954
Weitere Titel
Sammlungstitel: Straße in Paris
Übersetzung: Street in Paris
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1955
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 38 x 45,5 cm
Erwerbung
1955 Ankauf vom Künstler, Paris

Objektbeschreibung

Die 1954 entstandene Pariser Straßenansicht ist mit Blick auf das Schaffen Liebknechts in dieser Zeit erstaunlich impressionistisch gehalten. Sie wird bestimmt von einem Farbklang aus Rosé und Blau. Die Markisen der Läden und die nur skizzierten Passanten setzen Farbakzente. Das Fehlen von Autos verstärkt den friedvollen Eindruck, eine hoffnungsvolle Nachkriegsvision. Ein Jahr später gelangte das Bild in die Sammlung der Nationalgalerie. Ludwig Justi, 1933 als Direktor der Nationalgalerie entlassen, hatte erlebt, wie die Nationalsozialisten deren Sammlung der Moderne beschlagnahmten und zerstörten. 1946 wurde er zum Generaldirektor der Museen in Berlin (Ost) berufen, ab 1950 war er zugleich erneut Direktor der Nationalgalerie. Schon ab 1947 bemühte sich Justi um den Aufbau einer Galerie der Lebenden mit ausdrücklichem Hinweis auf die erlittenen Verluste. Er erwarb die „Eva“ von Gustav Seitz (B I 682) und Werke von Fritz Cremer. Mit dem freundlich-harmonischen Bild von Liebknecht konnte er durch Vermittlung des Grafikers Herbert Tucholski dem nun auch ein französisches Gemälde hinzufügen. Die seit 1951 in Ost-Berlin herrschende Formalismusdebatte erschwerte Justis Arbeit. Liebknecht gehörte weder zur Avantgarde der Nachkriegsmoderne in Frankreich oder Westdeutschland, noch reagierte er auf den der Moderne feindlich gegenüberstehenden Formalismus in der DDR. Vor etwaigen ästhetischen Einwänden der DDR-Behörden gegen diesen Ankauf schützte die Wahl eines eher konventionellen Bildes, zudem war der Maler als Sohn von Karl Liebknecht kaum angreifbar, wie Justi wohl wusste. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson