Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1954
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Straße in ParisÜbersetzung: Street in Paris
- Provenienz
- im Besitz des Künstlers,
1955 - Material / Technik
- Öl auf Pappe
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 38 x 45,5 cm
- Erwerbung
- 1955 Ankauf vom Künstler, Paris
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/963385
Objektbeschreibung
Die 1954 entstandene Pariser Straßenansicht ist mit Blick auf das Schaffen Liebknechts in dieser Zeit erstaunlich impressionistisch gehalten. Sie wird bestimmt von einem Farbklang aus Rosé und Blau. Die Markisen der Läden und die nur skizzierten Passanten setzen Farbakzente. Das Fehlen von Autos verstärkt den friedvollen Eindruck, eine hoffnungsvolle Nachkriegsvision. Ein Jahr später gelangte das Bild in die Sammlung der Nationalgalerie. Ludwig Justi, 1933 als Direktor der Nationalgalerie entlassen, hatte erlebt, wie die Nationalsozialisten deren Sammlung der Moderne beschlagnahmten und zerstörten. 1946 wurde er zum Generaldirektor der Museen in Berlin (Ost) berufen, ab 1950 war er zugleich erneut Direktor der Nationalgalerie. Schon ab 1947 bemühte sich Justi um den Aufbau einer Galerie der Lebenden mit ausdrücklichem Hinweis auf die erlittenen Verluste. Er erwarb die „Eva“ von Gustav Seitz (B I 682) und Werke von Fritz Cremer. Mit dem freundlich-harmonischen Bild von Liebknecht konnte er durch Vermittlung des Grafikers Herbert Tucholski dem nun auch ein französisches Gemälde hinzufügen. Die seit 1951 in Ost-Berlin herrschende Formalismusdebatte erschwerte Justis Arbeit. Liebknecht gehörte weder zur Avantgarde der Nachkriegsmoderne in Frankreich oder Westdeutschland, noch reagierte er auf den der Moderne feindlich gegenüberstehenden Formalismus in der DDR. Vor etwaigen ästhetischen Einwänden der DDR-Behörden gegen diesen Ankauf schützte die Wahl eines eher konventionellen Bildes, zudem war der Maler als Sohn von Karl Liebknecht kaum angreifbar, wie Justi wohl wusste. | Angelika Wesenberg
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.de