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Maternité

Ident. Nr.: NG 21/71

ObjID: obj:963585

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Marc Chagall (1887 - 1985),
Künstler*in
Datierung
1958/1959
Weitere Titel
Sammlungstitel: Maternité
Mutterschaft
Übersetzung: Maternity
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 50,5 x 40,5 cm
Erwerbung
1971 Schenkung Elly Koehler, Gauting

Objektbeschreibung

„Maternité“ (dt. Mutterschaft) entstand in einer Zeit, als Chagall durch seine zweite Ehefrau Valentina „Vava“ Brodsky und deren gemeinsame Wurzeln wieder eine größere Nähe zu seiner jüdischen Herkunft in Witebsk (heute Belarus) empfand und zugleich die jahrzehntelange Auseinandersetzung mit der Bibel in seinen Arbeiten intensivierte. 1956 hatte er die bereits 1931 begonnene Serie „Die Bibel“ mit Radierungen zum Alten Testament fertiggestellt. Außerdem arbeitete er an Entwürfen für Kirchenfenster sowie dem Zyklus „Le Message Biblique“. Anders als für dessen monumentale Gemälde wählte Chagall für „Maternité“ das intime Kleinformat. Eine Frau mit geschlossenen Augen hält ein Baby vor der entblößten Brust. Der Heiligenschein des Kindes und der blaue Schleier der Mutter scheinen aus der christlichen Ikonografie vertraut und legen nahe, dass Chagall hier den Typus der „Madonna lactans“, der stillenden Maria, darstellt. Wie viele von Chagalls Arbeiten ist „Maternité“ aber auch biografisch zu lesen. Immer wieder setzte er sich in seiner als messianisch verstandenen Funktion als Künstler mit Christus gleich. Zudem betonte er in seinen biografischen Aufzeichnungen häufig die Rolle seiner engagierten Mutter Feiga-Ita für das Leben der Familie und sein eigenes künstlerisches Schaffen. Eine vorgebeugt sitzende Figur auf einem Eselskarren vor den verschneiten Häusern von Witebsk ist im Bild als Chagalls Vater Zahar zu lesen. Ihn beschrieb Chagall als stoisch und gegensätzlich zur dynamischen Persönlichkeit der Mutter. | Tizian Holzbach

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson