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Kriegsgetraut

Ident. Nr.: B I 344

ObjID: obj:963926

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Gustav Schmidt-Cassel (1867 - 1940 oder 1954),
Künstler*in
Datierung
1915
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kriegsgetraut
Übersetzung: Wed in Wartime
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 43,5 x 19,5 x 17,5 cm
Erwerbung
1915 Ankauf aus der Großen Berliner Kunstausstellung

Objektbeschreibung

Nachdem Schmidtcassel, der als Bildhauer konservativ arbeitete, an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin studiert hatte, ließ er sich von 1890 bis 1893 an der dortigen Hochschule für die bildenden Künste von Ernst Herters ausbilden. Anschließend war er dessen Assistent und übernahm 1913 seine Werkstatt, die in der Uhlandstraße 6 direkt neben der Villa Wilhelm von Bodes, Generaldirektor der Königlichen Museen, gelegen war. Während Bodes Amtszeit wurde auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ 1915 Schmidtcassels dort gezeigte Sitzfigur „Kriegsgetraut“ angekauft. Unter demselben Titel entstanden in Reaktion auf den Ersten Weltkrieg zahlreiche künstlerische Arbeiten. So war schon 1914 der propagandistische deutsche Kriegsstummfilm „Kriegsgetraut“ von Heinrich Bolten-Beckers erschienen, 1915 kamen unter identischem Titel Paul Bliß’ Roman und ein Jahr später eine Novelle Otto von Gottbergs heraus. Eva Lichtwart schrieb in ihrem gleichnamigen Gedicht: „Kriegsgetraut! Im Feuer fest / Bleibt die Liebe, die nicht läßt. […] / Was hinieden mag geschehen: / Nimmer kann die Lieb’ vergehen“ (thekieferbrothers.blogspot.com/2014/11/kriegsgetraut-married-in-wartime.html, Abruf 5.5.2021). Auch Schmidtcassels madonnenhafte Schöne, in ihrer volkstümlichen Kleidung ein idealtypisches Frauenbild der Zeit, wartet geduldig auf die Rückkehr ihres Vermählten. Das patriotische Sujet wird betont durch die nahezu ethnografischen Details wie einen dreibeinigen Stuhl im norddeutsch-niedersächsischen Stil oder die Haube. | Johanna Yeats

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson