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Il grande metafisico

Ident. Nr.: B 770

ObjID: obj:965973

1965 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Giorgio de Chirico (1888 - 1978),
Künstler*in
Datierung
um 1945
Weitere Titel
Sammlungstitel: Il grande metafisico
Der große Metaphysiker
Übersetzung: The Great Metaphysician
Originaltitel: Le grand métaphysicien
Geografische Bezüge
Rom,
Stadt
Provenienz
Atelier des Künstlers,
389235
Kauf: Sammlung Adriano Pallini, Mailand,
389236
Kauf: Sammlung Dombrowsky, Florenz,
1955
Kauf: Sammlung Marco Brunelli, Mailand,
367443
Kauf: Galerie Krugier et Cie, Genf,
1965
Kauf: Galerie des 20. Jarhunderts, Berlin,
1965–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 110 x 80 cm
Erwerbung
1965 Ankauf von der Galerie Krugier et Cie, Genf, durch das Land Berlin mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

1917 schuf de Chirico in Ferrara mit „Der große Metaphysiker“ (Privatsammlung) eines der Hauptwerke der Pittura metafisica. 1925 malte er in Rom eine zweite, ikonografisch und stilistisch modifizierte Fassung (Honolulu Museum of Art). Diese nahm er, wiederum abgewandelt, als Modell für die heute in Berlin aufbewahrte dritte Version, die er um 1945 wiederum in Rom anfertigte. Er hat sie auf 1916 rückdatiert, weil für die Originale der 1910er-Jahre höhere Preise zu erzielen waren als für die späteren Repliken. In den drei Fassungen weicht die zunächst spröde, kalte Farbigkeit einer warmen, nahezu harmonischen Tonalität. Der erst durch hohe Gebäude begrenzte dunkle, enge Platz erweitert sich zu einer für de Chirico typischen, lichtdurchfluteten Piazza d’Italia. Ein zunehmend niedrigerer Horizont steigert die Monumentalität des aus hölzernen Versatzstücken gebauten Denkmals. Bekrönt wird dieses von der Büste eines „manichino“, wie sie ein Modist zur Präsentation von Hüten nutzt. „Der große Metaphysiker“ ist ein Mahnmal, das einen erst noch eintretenden Verlust beklagt. „Angesichts der zunehmend materialistischen und pragmatischen Ausrichtung unserer Zivilisation“ blickt Hebdomeros, Alter Ego des Künstlers und Held seines Romans von 1929, pessimistisch in die Zukunft: „Der Schriftsteller, der Denker, der Träumer, der Dichter, der Metaphysiker, der Beobachter, der Hellseher, der Wahrsager, der Forscher, der Seher […] usw. wird zur anachronistischen Figur, der bestimmt ist, wie Ichthyosaurus und Mammut von der Erdoberfläche zu verschwinden“ (Giorgio de Chirico, Hebdomeros [Übersetzung von Brigitte Weidmann], Berlin [West] 1969, S. 122 f.). | Gerd Roos

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz