Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1970
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: HorizontÜbersetzung: Horizon
- Material / Technik
- Öl auf Leinwand auf Hartfaser
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 95 x 118,5 cm
- Erwerbung
- 1972 Ankauf vom Künstler, Leipzig
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/966583
Objektbeschreibung
Das Gemälde „Horizont“ war eines der meistdiskutierten Bilder in der DDR. In eine nur vage ausgearbeitete Landschaft hat Mattheuer eine überdimensionierte Zeitung mit einem Loch in der Mitte gesetzt. Die Schrift darauf ist unleserlich, man erkennt lediglich Abbildungen von zwei fast identischen Männerköpfen mit Hut, deren Gesichter halb verdeckt sind. Rechts ragt hinter der Zeitung ein riesiges Ohr hervor, schemenhaft deutet sich auch der dazugehörige Körper an. In die durchlöcherte Mitte hat der Künstler zwei Männer gesetzt. Der Rechte sitzt mit einer Akte vor einem Telefon, die Hand schon fast am Hörer; er bildet den Mittelpunkt des Gemäldes. Der zweite Mann lehnt sich an seinen rechten Arm und scheint zu schlafen, spuckt währenddessen jedoch einen Schwall Papier aus. Im oberen Teil des Bildes laufen verschiedene Gruppen junger Menschen nach und nach hinter den titelgebenden Horizont. Zwar wurde in den 1970er-Jahren das kulturpolitische Programm „Weite und Vielfalt“ propagiert, das konstruktiv-kritische Aspekte in Kunst und Kultur der DDR zuließ, „Horizont“ lief der Parteidoktrin jedoch allzu deutlich entgegen. Zu offensichtlich erscheint der Bezug auf die Omnipräsenz der Staatssicherheit, die alle öffentlichen wie privaten Bereiche des Lebens ausspähte. Das Bild entfachte eine derart heftige Debatte, dass der Künstler selbst es von der 8. „Bezirksausstellung“ in Leipzig zurückzog. Auch auf der 8. „Dresdener Kunstausstellung“ war es nicht zu sehen. Dafür wurde es 1977 auf der „documenta“ in Kassel ausgestellt es gehörte zu einem Konvolut an Werken, mit dem erstmals Künstler aus der DDR auf der internationalen Schau in der Bundesrepublik vertreten waren. Mattheuers Präsenz festigte seinen Status als ostdeutscher Systemkritiker. | Maike Steinkamp
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
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