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Susanna am Klavier

Ident. Nr.: A IV 278

ObjID: obj:968221

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Kretzschmar (1889 - 1972),
Künstler*in
Datierung
um 1925
Weitere Titel
Sammlungstitel: Susanna am Klavier
Übersetzung: Susanna at the Piano
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1972
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 54 cm
Erwerbung
1972 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Kretzschmars Frau Susanna (1891–1942), die er 1917 geheiratet hatte, figurierte vor allem in den 1920er- und 1930er-Jahren häufig in seinen Bildern. Auffällig ist dabei der Variantenreichtum, mit dem dies geschah: im Porträt, als Rückenfigur beim Klavierspiel (A IV 278) oder als Teil des Bildpersonals in einer fiktiven Szene („Konfektion“, A IV 318). „Lesende Susanna“ (A IV 383) weist in der Gestaltung des Werks und der Farbigkeit über den Charakter eines Bildnisses im herkömmlichen Sinn hinaus. Vielmehr wirkt es wie eine Allegorie des Lesens. Die glühenden Farben und der hingebungsvolle Gestus Susannas versinnbildlichen die Inspiration durch anregende Lektüre. Wie schon das Porträt des Freundes Oskar Trepte (A IV 382) blieb auch dieses Zeugnis aus expressionistischen Anfängen von der Zerstörung durch den Künstler selbst im Jahr 1921 verschont, sicherlich ebenfalls aus emotionalen Gründen. In beiden hier vorliegenden Susanna-Darstellungen hat Kretzschmar seine Frau dem direkten Blickwechsel mit den Betrachter:innen entzogen, beim Lesen durch die gesenkten Augen, beim Klavierspiel durch die Rückenansicht. Der persönliche, intime Aspekt des Versinkens in musische Beschäftigungen wird dadurch betont. Im Klavier-Bild hat der Maler die Einheit zwischen Person und Tätigkeit nicht nur durch Farbe erreicht, sondern durch Flächigkeit. Lediglich durch den linken Arm und den Stuhl wird Räumlichkeit evoziert. Im Übrigen sind Figur und Instrument auf einer Ebene miteinander verquickt. Der Vergleich dieser beiden Darstellungen verdeutlicht den gravierenden künstlerischen Wandel, den Kretzschmar innerhalb von nur fünf Jahren vollzogen hatte. „Susanna am Klavier“ zeigt jene künstlerischen Parameter, die von nun an die Determinanten im Œuvre des Künstlers sein sollten: statische, gebaute Kompositionen, die vor allem von Farbklängen leben. Die Auseinandersetzung mit Farbe als primärem künstlerischem Mittel sollte sich dabei durch die zunehmende Flächigkeit in seinen Werken noch intensivieren. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz