Logo

Rot-Stufung

Ident. Nr.: NG MB 114/2000

ObjID: obj:960424

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Klee (1879 - 1940),
Künstler*in
Datierung
1921
Weitere Titel
Sammlungstitel: Rot-Stufung
Übersetzung: Red-Gradation
Provenienz
Kauf: Heinz Berggruen, Berlin/Paris,
29.11.1993–2000
Abmessungen
Höhe x Breite: 21 x 31,1 cm
Erwerbung
2000 Ankauf von Heinz Berggruen mit Unterstützung der Bundesregierung und des Landes Berlin

Objektbeschreibung

Die „Rot-Stufung“ gehört mit der „Fuge in Rot“ (Privatsammlung) und der „Kristall-Stufung“ (Kunstmuseum Basel) in eine erste, 1921 entstandene Werkgruppe, in der Klee in einem festgelegten Verhältnis Farben miteinander gemischt und in lasierender Wasserfarbenmalerei zu durchsichtig schwebender Anschauung gebracht hat. Er selbst nannte das „Farbe als Helldunkel z. B.: Rot in Rot, d. h. die ganze Skala vom Rotmangel bis zum Rotüberfluß, weitgespannt, oder diese Skala begrenzt“ (Paul Klee, Über die moderne Kunst. Vortrag des Künstlers bei einer Ausstellungseröffnung im Museum Jena 1924, Bern 1945, S. 37). Zu der „begrenzten“ Rot-Skala zählt die zu braunen Tönen tendierende „Rot-Stufung“, gemischt aus Orange und Blau. Aus geometrischen Farbbahnen der Transparenz entfalten sich rundorganische, planetarisch anmutende Gebilde, Klees Kontrapunkt von Ruhe und Bewegung, Rotation und Entfernung in einem nächtlichen Himmel. Hierbei kommt dem Faktor Licht eine besondere Bedeutung zu. Darin ähneln die kristallinen Farbstufungen des Künstlers den „Farb-Lichtspielen“ und den „reflektorischen Lichtspielen“, die Kurt Schwerdtfeger und Ludwig Hirschfeld-Mack im Jahre 1921 am Bauhaus in Weimar, an dem damals auch Klee lehrte, entwickelten. Vom Format und von der Graduierung einer Farbe, dort in Blau, sehr ähnlich ist das ein Jahr später entstandene Aquarell „Schleusen“ (NG MB 119/2000). | Roland März

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum Berggruen

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Zwei Akte

Zwei Akte

Die Darstellung von zwei Frauen ist eines der Themen, denen sich Picasso im Herbst 1906, nach seiner Rückkehr aus dem spanischen Pyrenäendorf Gósol, in unterschiedlichen Fassungen widmete. In diese Reihe, die ihren vorläufigen Abschluss in dem eindrucksvollen Gemälde „Zwei Akte“, heute im Museum of Modern Art in New York, hatte, gehört auch diese Tuschzeichnung. Die gedrungenen, tendenziell androgynen Körper der beiden jungen Frauen mit den zugestrichenen Köpfen, die scheinbar ohne Hals auf die Schultern geschraubt sind, zeigen ein anderes, archaisierendes Körperbild. Das Werk erinnert, wenn auch weniger glatt und geschmeidig, an die Vahine (die jungen Mädchen) in Paul Gauguins tahitianischen Bildern. Und könnte nach John Richardson auch durch die javanische Skulptur im „Lapin Agile“, dem Künstlerkabarett am Montmartre, angeregt worden sein, wo sich Picasso und seine Freunde allabendlich trafen (John Richardson, A Life of Picasso, Band 1: 1881–1906, London/New York 1991, S. 373). Die Abkehr vom klassisch europäischen Körperideal zeigt sich auch in den vehementen Schraffuren, mit denen Picasso die fast taillenlosen Körper umriss und die beiden Akte extrem behaart wirken ließ, Kinder einer vermeintlich wilden und freien Welt. Die fast zwillingshaften jungen Frauen tragen die Gesichtszüge von Fernande Olivier, Picassos Gefährtin jener Jahre. Hand in Hand stehen sie dicht beieinander, als handele es sich um die Darstellung derselben Figur in minimaler zeitlicher Verzögerung, so wie wir es aus den nur wenig zuvor entstandenen Fotografien von Eadweard Muybridge kennen. | Angela Schneider

Maquette pour une couverture des Cahiers d'Art

Maquette pour une couverture des Cahiers d'Art

Die Eigenart von Matisse’ „gouaches découpées“ (Scherenschnitten) beruht auf der Schaffung des Raumes allein aus Farbkategorien. Diese hat er, weitgehend frei von malerischen Mitteln, als eigenständige Ausdrucksträger eingesetzt. Matisse studierte seine Farben genau und versuchte sie dergestalt nebeneinander zu positionieren, dass ihre Kontraste am besten zur Geltung gelangten. Dieser Ansatz findet sich im Umschlagentwurf für die berühmte Kunstzeitschrift „Cahiers d’Art“ insbesondere durch die beinahe aggressive Farbabgrenzung von Schwarz und Rot umgesetzt und durch die Überlagerung der Papiere, die unterschiedlich fest auf dem Untergrund aufliegen, noch verstärkt. In seinen seit Mitte der 1930er-Jahre angefertigten Entwürfen für Einbände und später Ausstellungsplakate löste Matisse die „gouaches découpées“ aus ihrem experimentellen Zusammenhang. Das neue Medium wurde zur autonomen Bildform. Die Arbeit aus dem Museum Berggruen entstand im Jahr 1936 und damit zu Beginn einer für das Gesamtwerk des Künstlers entscheidenden Entwicklung. Wie sehr allerdings die neue Technik anfangs noch auf Unverständnis stieß, zeigte sich an der Reaktion des Auftraggebers, des Gründers und Herausgebers der „Cahiers d’Art“, Christian Zervos: Er lehnte den vorliegenden Entwurf ab – und war noch jahrelang der Ansicht, dass es sich bei den „gouaches découpées“ um einen wenig ernsthaften Zeitvertrieb des Künstlers handele. | Anke Pötzscher

Nördlicher Ort

Nördlicher Ort

Die synästhetische Analogie von Farben und Tönen beschäftigte Klee ab 1910. In die Quadratur der Form trat seit den Tunis-Aquarellen 1914 die klingende Farbe. Die Reihe der „Magischen Quadrate“, die 1921 begann und 1923 ihren Höhepunkt erreichte, hat Klee bis zu seinem Tode fortgeführt. Für diese Farbbewegungen im Wechsel von horizontaler und vertikaler Komposition sowie seinen polyphon rhythmisierten Stil schuf er mit seinen Vorlesungen zur „Bildnerischen Formlehre“ von 1922 bis 1924 am Bauhaus in Weimar auch die theoretischen Grundlagen. „Nördlicher Ort“ ist ein farbig strahlendes Mosaik aus unregelmäßig gezogenen Quadraten, die manchmal zum Rechteck tendieren. Die frische Heiterkeit des Aquarells dämpfen hier und da mattes Braun und Gelb, Ocker und Lila. In der Vielstimmigkeit der Farbtöne setzen die schwarzen Vierecke die entscheidenden Akzente für den Rhythmus innerhalb des aufgerasterten Gefüges. Klee hatte sein bildnerisches Ziel erreicht: eine Steigerung der Farben vom Statischen hin zum Dynamischen. Wenn die Vorstellung vom „Norden“ immer auch mit Kargheit und Kühle verbunden ist, dann führt der Spieler Klee mit seinem Titel „Nördlicher Ort“ die Betrachter:innen auf einen Irrweg. Denn in dieser klingenden Pastorale atmet im Farbigen alles die mediterrane Sinnlichkeit des Südens. Klees Ort bleibt abstrakt und anonym, obwohl auch ein, zwei geteilte Quadrate in ihrer richtungsbetonten Dreiecksform an Dächer und Giebel eines Städtchens erinnern. | Roland März

Glas und Kreuz-Ass

Glas und Kreuz-Ass

Auffällig an dieser im Frühjahr 1914 entstandenen Arbeit ist die klare Kompositionsstruktur: In der unteren Bildhälfte lagert auf weißem Papiergrund ein großes Oval, ein Stück Karton mit imitiertem Holzfurnier, das einen Tisch bildet, der auf der Bildfläche durch Bleistiftlinien verspannt ist, die gleichsam Tischbeine sein könnten. Eine Spielkarte leitet wie ein Scharnier über zu den auf dem Tisch in aufsteigender Form mit einer eigenartigen Umrisslinie platzierten Gegenständen. Die Differenz zwischen der waagerechten und der senkrechten Formfläche wird noch betont durch deren Farbkontrast, durch das warme, rotbraun geäderte Ocker im Oval und die kühlen blau-grau-schwarzen Farbtöne in der anderen Formgestalt. Dass Picasso in diesem (wie auch in anderen) Stillleben gerade das Kreuz-Ass als Motiv verwendet hat (vgl. etwa „Meine Schöne“, NG MB 20/2000), liegt wohl nicht nur an dessen prägnanter Form, sondern auch an seiner Ambivalenz: Im französischen Blatt kann es den höchsten, aber ebenso (je nach Spielregel) den niedrigsten Wert bedeuten. Das Glas war für Picasso ein weiteres beliebtes Motiv, das er auch skulptural umsetzte (vgl. „Das Absinth-Glas“, NG MB 23/2000). Für das vorliegende Werk zeichnete er das Glas mit Bleistift auf eine ölgrundierte weiße Leinwand und schnitt es danach aus. Ergänzt wird das Ensemble von einem fast konisch geschnittenen Stück blau-grauer Leinwand, das vielleicht eine Karaffe mit Facettenschliff andeuten soll. | Hans Jürgen Papies

Fruchtschale mit Birnen und Äpfeln

Fruchtschale mit Birnen und Äpfeln

„Behandeln Sie die Natur gemäß Zylinder, Kugel, Kegel, das Ganze dabei in Perspektive gebracht, dass nämlich jede Seite eines Gegenstandes, einer Fläche zu einem zentralen Punkt hinführt“, schrieb Paul Cézanne 1904 an seinen Malerkollegen Émile Bernard (Paul Cézanne, Die Natur lesen. Aus seinen Briefen, ausgewählt von Stefan Vorkel, Leipzig 2004, S. 69). Diese Worte veröffentlichte Bernard in seinem Artikel „Souvenir sur Paul Cézanne“ (Erinnerung an Paul Cézanne) in der Ausgabe vom 1. Oktober 1907 im vielgelesenen „Mercure de France“ (S. 400), sodass sich die heute berühmte Formel zeitgleich zur großen Cézanne-Retrospektive des Pariser Salon d’Automne verbreitete. Es kann als sicher gelten, dass Picasso Cézannes Empfehlung kannte, als er dieses Werk wahrscheinlich Ende 1908 malte, in einer Phase, in der er auch andere Stillleben auf Holz schuf. Ein gutes Beispiel für Cézannes Einfluss auf die Genese von Picassos Kubismus um 1909 (vgl. etwa „Häuser auf einem Hügel. Horta de Ebro“, 1909; Dauerleihgabe der Familie Berggruen im Museum Berggruen, Berlin), folgte Picasso Cézanne hier nicht nur im Motiv des Früchtestilllebens und in der Wiedergabe von Äpfeln als Kugeln und Birnen als Kegel, sondern auch in den unterschiedlichen Perspektiven: Früchte und Schalenkörper präsentieren sich von einem niedrigeren Standpunkt aus als der Schalenrand und die Tischfläche. In der Reduktion der Farbpalette auf dunkle Erdtöne hingegen hat sich Picasso von Cézanne distanziert und die Farben des Kubismus angekündigt. | Gabriel Montua

Stillleben mit Glas und Spielkarten (Hommage an Max Jacob)

Stillleben mit Glas und Spielkarten (Hommage an Max Jacob)

Auf dem Stillleben „Hommage à Max Jacob“ erkennt man den für diese Phase von Picassos Kubismus charakteristischen Punktenebel besonders deutlich, mit dem das Glas gefüllt zu sein scheint, ähnlich wie Picasso das Exemplar des Absinth-Glases aus dem Museum Berggruen aus demselben Jahr (NG MB 23/2000) auch mit roten und blauen Punkten bemalte. Das „papier collé“ (geklebte Papier) ist ein Bestellschein für die neueste Publikation des Dichters Max Jacob, eine von ihm übersetze und kommentierte Auswahl an keltischen Gedichten mit dem Titel „La Côte“ (Die Küste). Durch die Verwendung des Bestellscheins auf dem Bild ging Max Jacob zwar ein potenzieller Käufer seines Buches verloren, doch wird er sich über die Werbung gefreut haben. Angela Schneider beschreibt das Verhältnis zwischen Picasso und Jacob wie folgt: „Die beiden jungen Künstler (Jacob malte auch) hatten sich 1901 anlässlich der ersten Ausstellung Picassos in der Galerie von Ambroise Vollard kennengelernt und waren unzertrennliche Freunde geworden, die zeitweise aus Geldmangel dasselbe Bett benutzten, der eine nachts, der andere tags“ (Picasso und seine Zeit, Bestandskat. Museum Berggruen, Berlin, 2010, S. 82). Auch als sie sich nach dem Ersten Weltkrieg voneinander entfernten, sind immer wieder gemeinsame Publikationen mit Texten von Max Jacob und grafischen Arbeiten von Picasso entstanden. Max Jacob, der 1915 vom Judentum zum Katholizismus konvertierte, wurde 1944 von der Gestapo verhaftet und starb im Lager Drancy bei Paris. | Gabriel Montua

Tanzende Silene

Tanzende Silene

Nach ersten Anleihen bei antiker Ikonografie während seiner klassizistischen Phase nach dem Ersten Weltkrieg (vgl. etwa „Sitzender Akt, sich den Fuß trocknend“, NG MB 38/2000) kam Picasso spätestens durch die druckgrafischen Arbeiten, die er für den Pariser Verleger Ambroise Vollard anfertigte, zu einer intensiven Beschäftigung mit der Antike. Ende der 1920er-Jahre lieferte er Illustrationen zu Honoré de Balzacs Novelle „Das unbekannte Meisterwerk“ (1831; vgl. „Der Bildhauer und sein Werk“, NG MB 50/2000), in den 1930er-Jahren folgte die „Suite Vollard“. In beiden sind regelmäßig Personen durch ihre Gewänder und die Requisite in der Antike verortet. Die vorliegende Gouache wirkt wie ein antiker Fries, in dem eine Gruppe von Personen nebeneinander dargestellt ist. Bemerkenswerterweise sind die Männer viel stärker plastisch modelliert und verfügen über ein Inkarnat in Hautfarben, wohingegen die Frauen und der Knabe viel flacher und gipsfarben wirken. Sie werden in diesem Tross, der anscheinend von einem erfolgreichen Fischzug zurückkehrt, mitgeschleift. Richard Kendall bemerkt im Londoner Katalog der Sammlung Berggruen die angespannte persönliche Situation Picassos im Jahr 1933 zwischen seiner ihm entfremdeten Frau Olga und seiner Geliebten Marie-Thérèse Walter sowie seine Vorliebe für Motive mit Bezug zur Antike, zu Sexualität und zum Stierkampf: „Es besteht kaum Zweifel, dass der Künstler sich mit vielen der Charaktere und Dramen seiner eigenen Bildgebung identifizierte“ (Van Gogh to Picasso. The Berggruen Collection at the National Gallery, Ausst.-Kat., London, 1991, S. 150). | Gabriel Montua

Klassische Küste

Klassische Küste

Wie das Aquarell „Portal einer Moschee“ (NG MB 141/2000) aus demselben Jahr basiert dieses für Klee große Ölgemälde auf einem Raster aus kleinen Quadraten, die Zeile um Zeile den ganzen Bildraum füllen. Anders als das Aquarell, in dem die Quadrate fast das gesamte Farbspektrum abdecken, ist die Farbwahl hier äußerst dunkel, die erdigen Töne dominieren: Schwarz, Grau, Braun, Rot, Ocker und Gelb, Grün. Blau, die Farbe, mit der Kinder Wasser malen, fehlt. Das Meer in der linken Hälfte wird durch eine horizontale Ordnung strukturiert, das heißt, dass innerhalb einer Reihe selten die Farbe wechselt und so jeweils immer eine lange Reihe über der darunterliegenden verläuft. Die rechte Bildhälfte betont die Vertikale durch die farbliche Anordnung – sie lässt senkrechte Punktreihen entstehen, die sich vereinzelt sogar zu durchgezogenen Linien steigern. Den größten Effekt verursachen aber die Leerstellen zwischen den beiden Bildhälften: Die Küstenlinie wird dort als solche sichtbar, wo Klee, statt ein Quadrat zu setzen, die Leinwand sichtbar belassen und somit einen Aussetzer im Raster bewirkt hat. Ins Gegenständliche übersetzt bildet diese Linie die Gischt der sich brechenden und zurückziehenden Wellen. „Klassisch“ ist diese Küste aber schon deshalb nicht, weil der Uferverlauf von oben mittig bis unten links auf der Leinwand keine plausible Perspektive darstellt, es sei denn, man schaut lotrecht auf das Gestade hinab wie auf eine Landkarte. | Gabriel Montua

Arlequin auf der Brücke

Arlequin auf der Brücke

Eine Lichtgestalt! Das größte saubere Farbfeld auf dem gesamten Blatt umfasst in hellem Schein die breitbeinige, auf einer Brücke stehende Figur. Wie die Spitze ihrer Mütze weist der Spitzbogen (architektonisch gesehen) beziehungsweise die Mandorla (auratisch gesprochen) nach oben und wird durch eine Linie mit einem Stern verbunden, der ebenfalls in reinen Farben erstrahlt, als wolle er schon von Weitem auf die wunderbare Präsenz hinweisen. Wer ist der im Titel als Arlecchino oder Harlekin ausgewiesene Konzentrationspunkt all dieser Lichtmystik, der eine Halbmaske trägt, als wolle er seinen Ursprung aus der Commedia dell’Arte unterstreichen? „Alle seine [Klees] Artisten und Schau-Spieler sind immer auch verkappte Selbstporträts“, schrieb Roland März über diesen Harlekin von Klee (Picasso und seine Zeit, Bestandskat. Museum Berggruen, Berlin, 2010, S. 106). Jedenfalls ist die Brücke als Verbindung zweier Ufer eine hervorragende Bühne für einen Harlekin, dessen Hauptmerkmal das ständige Wechseln der Rollen und Referenzrahmen ist. Die dunklen Flächen entlang der Brückenpfeiler wirken wie der aufgespannte Vorhang einer Theaterbühne, die also unter der Brücke ganz wörtlich im Trüben läge und vom Harlekin auf seinem Aufstieg unter sich gelassen wurde. Damit er auch vertikal genau in der Mitte steht, hat Klee unten noch einen Streifen angefügt und das fertige Blatt auf Silberfolie gelegt, sodass die ganze Szene von Lichtreflexen umrahmt wird. | Gabriel Montua

Felsenkammer

Felsenkammer

Zwei dunkle Streifen begrenzen das Werk oben und unten, links und rechts gibt es keine derart festgelegten Enden. Die parallelen Streifen in unterschiedlichen Blau- und Gelbtönen könnten endlos weitergeführt werden, sodass das Querformat optisch noch weiter in die Länge gezogen erscheint. Einzig vier vertikale Linien bilden „Störmomente“, die die Streifen unterbrechen und in kleinere, verschiedenfarbige Rechtecke unterteilen. Besonders ins Auge sticht dabei die schwarze Form im linken unteren Teil. Sie wird immer wieder als Eingang zu der titelgebenden „Felsenkammer“ der Cheopspyramide interpretiert. Das Aquarell entstand kurz nach Klees Rückkehr von seiner Ägypten-Reise im Winter 1928/1929, die große Auswirkungen auf den Bildaufbau in den Arbeiten des Künstlers ausübte. Er schuf nun eine Serie von Streifenbildern, zu der ihn wohl die geometrische Strenge der landwirtschaftlich angelegten Felder im Nildelta angeregt hatte. „Cardinalprogression“ nannte Klee dieses Strukturgesetz, bei dem er das Werk nach geometrischen Modulen gliederte, die beliebig vervielfacht und aneinandergereiht werden konnten. Der Künstler zog die einzelnen Bleistiftlinien dabei nicht mit einem Lineal, sodass selbst in diesem streng mathematischen Zeichenprinzip ein Rest an organischer Handschrift bleibt. Das Blatt war 30 Jahre lang, von 1959 bis 1989, in Besitz der Hollywoodlegende Billy Wilder. Anschließend erwarb es der Kunsthändler Heinz Berggruen, verkaufte es kurze Zeit später wieder, erwarb es jedoch 1998 erneut, wodurch es sich heute in der Sammlung der Nationalgalerie befindet. | Anna Wegenschimmel